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Optionsstrategien

Cash Secured Put erklärt: Put verkaufen, Prämie einnehmen, Aktie zum eigenen Preis kaufen

Beim Cash Secured Put verkaufst du einen Put und legst das Geld für den Aktienkauf zur Seite. Entweder behältst du die Prämie, oder du bekommst die Aktie zu einem Preis unter dem heutigen Kurs. Klingt nach einer Lösung ohne Haken. Den Haken gibt es, und ich zeige ihn dir an einem durchgerechneten Beispiel.

Der Cash Secured Put ist für viele die erste Stillhalterstrategie, und das aus gutem Grund. Er besteht aus einer einzigen Option, sein Risiko ist leicht zu überblicken, und er beantwortet eine Frage, die sich jeder Aktienkäufer stellt: Was mache ich, wenn mir der heutige Kurs zu hoch ist?

In diesem Artikel erkläre ich, wie der Cash Secured Put funktioniert, rechne ein Beispiel mit allen Ausgängen durch, zeige, wie du Strike und Laufzeit wählst, und wo das Risiko liegt, das in vielen Erklärungen zu kurz kommt. Am Ende steht, nach welchen Regeln ich selbst Puts verkaufe. Wenn dir Begriffe wie Strike, Prämie oder Short Put noch neu sind, lies vorher Call und Put einfach erklärt.

Ein Cash Secured Put ist eine Kauforder mit Wunschpreis, für die du bezahlt wirst. Der Preis dafür: Steigt die Aktie stark, verdienst du nur die Prämie.

Was ist ein Cash Secured Put?

Du verkaufst einen Put, also das Recht eines anderen, dir 100 Aktien zum Strike zu verkaufen. Dafür bekommst du sofort die Prämie. Gleichzeitig hältst du so viel Geld bereit, wie der Kauf der Aktien kosten würde: Strike mal 100. Das Geld ist die Deckung, daher der Name „cash secured“, durch Bargeld gesichert.

Bis zum Verfallstag gibt es zwei Ausgänge:

Beide Ausgänge sind gewollt, und das ist der Kern der Strategie. Wer einen Cash Secured Put verkauft, muss die Aktie zum Strike haben wollen. Wer das nicht will, verkauft eigentlich nur Prämie und hofft, dass nichts passiert.

Rechenbeispiel: Put mit Strike 42 auf eine Aktie bei 50

Eine Aktie steht bei 50 USD. Du würdest sie gern besitzen, aber nicht zu diesem Preis. In der Optionskette findest du einen Put mit Strike 42 und 45 Tagen Laufzeit. Er hat ein Delta von etwa 0,10 und bringt 0,45 USD Prämie je Aktie. Beim Put ist das Delta streng genommen negativ, also −0,10, aber unter Tradern heißt das einfach Delta 10.

PositionWert
Prämie, die du sofort einnimmst0,45 × 100 = 45 USD
Gebundenes Geld (Deckung)42 × 100 = 4.200 USD
Ertrag auf das gebundene Geld45 ÷ 4.200 = 1,07 % in 45 Tagen
Break-even42 − 0,45 = 41,55 USD
Abstand des Break-even zum heutigen Kurs16,9 %

Die Zahlen sind konstruiert, liegen aber nah an dem, was eine Aktie mit einer impliziten Volatilität um 35 Prozent bei dieser Laufzeit tatsächlich hergibt. Gebühren lasse ich weg.

So sieht das Ergebnis am Verfallstag aus, verglichen mit dem direkten Kauf von 100 Aktien zu 50:

Kurs am VerfallCash Secured Put100 Aktien zu 50
60+45+1.000
50+450
45+45−500
42+45−800
41,550−845
35−655−1.500
25−1.655−2.500
0−4.155−5.000
Cash Secured Put gegen Aktienkauf
Gewinn und Verlust am Verfallstag in USD, je 100 Aktien
+1.000 0 −1.000 −2.000 25 30 35 40 45 50 55 60 Kurs der Aktie am Verfallstag (USD) Break-even 41,55 Cash Secured Put: max. +45 100 Aktien zu 50
Gold: Cash Secured Put mit Strike 42 zu 0,45. Gestrichelt: 100 Aktien, gekauft zu 50. Unter 42 laufen beide Linien parallel, der Put liegt dabei immer 845 USD besser.
Klick auf die Grafik vergrößert sie

In der Tabelle stecken die beiden Seiten der Strategie. Zwischen 42 und 60 verdient der Put immer gleich viel, 45 USD, egal wie weit die Aktie steigt. Unter 42 verliert er mit jedem Dollar Kursrückgang 100 USD, genau wie die Aktie. Er verliert nur später, weil die Aktie erst 16,9 Prozent fallen muss, bevor überhaupt ein Verlust entsteht.

Was bei einer Zuweisung passiert

Fällt die Aktie bis zum Verfall auf 40, bekommst du die Zuweisung. Du kaufst 100 Aktien zu 42, also für 4.200 USD aus deiner Deckung. Abzüglich der eingenommenen 45 USD liegt dein Einstand bei 41,55. Die Aktie steht bei 40, also bist du auf dem Papier 155 USD im Minus. Wer die Aktie direkt zu 50 gekauft hätte, wäre 1.000 USD im Minus.

Viele verkaufen nach einer Zuweisung einen Call auf die Aktien, also einen Covered Call, und nehmen so die nächste Prämie ein. Wird die Aktie darüber wieder abgerufen, beginnt der Kreislauf mit dem nächsten Put von vorn. Diese Abfolge heißt Wheel-Strategie.

Der Haken: Das Risiko ist das der Aktie

Der Cash Secured Put wird oft als sichere Strategie beschrieben. Das stimmt nur im Vergleich zum Aktienkauf. Sein Risiko ist im Kern dasselbe wie das der Aktie, nur um die Prämie kleiner. Fällt die Aktie auf null, verlierst du 4.155 USD, und die 45 USD Prämie sind dagegen ein Rundungsfehler.

Dazu kommt eine Asymmetrie, die man kennen muss. Der Gewinn ist auf die Prämie begrenzt, der Verlust kann ein Vielfaches davon sein. Im Beispiel verdienst du höchstens 45 USD, verlierst aber schon bei einem Kurs von 35 fast das Fünfzehnfache. Eine einzelne starke Bewegung nach unten kann die Prämien vieler Monate aufzehren. Wie gefährlich eine hohe Trefferquote mit solchen Ausreißern ist, habe ich in Trefferquote berechnen durchgerechnet.

Die andere Seite: Steigt die Aktie stark, verpasst du den Anstieg. Der Aktienkäufer verdient bei 60 tausend Dollar, du 45. Der Cash Secured Put ist deshalb keine bessere Aktie, sondern ein anderes Geschäft: Du tauschst den möglichen Kursgewinn gegen eine sichere Prämie und einen tieferen Einstieg.

Ohne Deckung ist es kein Cash Secured Put mehr: Auf einem Margin-Konto verlangt der Broker für einen verkauften Put nur einen Teil des Strikes als Sicherheit. Dann kannst du mit demselben Geld mehrere Puts verkaufen. Das Risiko je Put bleibt aber gleich groß, und am Ende hängt es an mehr Aktien, als du bezahlen kannst. Wer Puts verkauft, sollte die Zuweisung jedes einzelnen Kontrakts bezahlen können.

Werte mit Sprungrisiko

Besonders gefährlich ist ein verkaufter Put auf Aktien, deren Kurs an einer einzelnen Entscheidung hängt: ein Gerichtsurteil, eine Zulassung, eine Studie. Solche Kurse springen über Nacht um die Hälfte, und kein Stop greift dazwischen. Nackte Short Puts auf solche Werte verkaufe ich nicht. Dasselbe gilt für Quartalszahlen: Ein Put, dessen Laufzeit über den nächsten Earnings-Termin reicht, trägt ein Sprungrisiko, das kein Stop abfängt. Die Prämie ist dann zwar höher, aber der schlimmste Fall auch. Ich lasse solche Laufzeiten deshalb aus.

Strike und Laufzeit wählen

Der Strike entscheidet über das Verhältnis von Prämie zu Sicherheitsabstand. Je näher am Kurs, desto mehr Prämie, desto öfter aber auch die Zuweisung. Für dieselbe Aktie bei 50 und 45 Tagen Laufzeit:

DeltaStrikePrämieBreak-evenAbstand zum KursErtrag auf Deckung
0,10420,4541,5516,9 %1,07 %
0,20450,8744,1311,7 %1,93 %
0,30471,3145,698,6 %2,79 %

Das Delta des Puts ist dabei ein brauchbarer Anhaltspunkt für die Wahrscheinlichkeit, dass er am Verfallstag im Geld liegt. Delta 0,10 heißt grob: In einem von zehn Fällen kommt es zur Zuweisung. Der Markt preist bei weit aus dem Geld liegenden Puts allerdings meist mehr ein, als später eintritt. Wie groß dieser Unterschied über viele Jahre war, habe ich im Artikel Delta 10 im Stillhaltergeschäft ausgewertet.

Bei der Laufzeit sind 30 bis 60 Tage üblich. Kürzere Laufzeiten bringen je Tag mehr Prämie, lassen aber weniger Zeit, auf Bewegungen zu reagieren. Längere Laufzeiten binden das Geld länger für einen Ertrag, der je Tag kleiner ist.

Wann die Prämie sich lohnt

Wer Optionen verkauft, will sie teuer verkaufen. Ob eine Option teuer ist, sagt nicht ihr Preis, sondern der Vergleich der impliziten Volatilität mit ihrer eigenen Vergangenheit, zum Beispiel über die IV Percentile. In meiner Strategie-Matrix steht der Cash Secured Put deshalb in der Spalte „Vola hoch“, also bei einer IV Percentile über 70.

Cash Secured Put oder Bull Put Spread?

Der größte Nachteil des Cash Secured Puts ist das gebundene Geld. Bei einer Aktie für 50 USD sind es 4.200 USD je Kontrakt. Bei einer Aktie für 200 USD wären es mit einem Strike um 170 schon 17.000 USD, für einen einzigen Put. Damit ist ein Depot schnell mit zwei, drei Positionen voll.

Die Alternative ist der Bull Put Spread: Zum verkauften Put kaufst du einen zweiten Put weiter unten. Bei der Aktie für 200 zum Beispiel einen Short Put 170 für 1,35 und einen Long Put 150 für 0,34. Du nimmst netto 1,01 ein, also 101 USD, und dein maximaler Verlust ist auf (20 − 1,01) × 100 = 1.899 USD begrenzt. Statt 17.000 USD stehen also knapp 1.900 USD im Risiko.

Aktie bei 200, 45 TageCash Secured Put 170Bull Put Spread 170/150
Prämie135 USD101 USD
Gebundenes Geld bzw. Risiko17.000 USD gebunden, max. Verlust 16.865 USDmax. Verlust 1.899 USD
Ertrag darauf0,8 %5,3 %
Bei Zuweisungdu besitzt 100 AktienVerlust ist begrenzt, du besitzt keine Aktien

Der Spread bringt weniger Prämie, aber viel mehr Ertrag auf das eingesetzte Risiko. Dafür verzichtest du auf die Aktie. Wer die Aktie wirklich haben will, nimmt den Cash Secured Put. Wer Prämie verdienen will, ohne das Depot mit einer einzigen Position zu belegen, nimmt den Spread.

Wie ich Puts verkaufe

Ich verkaufe Puts in zwei Situationen, mit unterschiedlichen Regeln.

Als Teil meiner Brot-und-Butter-Strategie. Das ist das Regelwerk, das ich seit dem 1. Januar 2020 live handle und mit dem im Club Woche für Woche die Prämien eingenommen werden. Bei Aktien unter 100 Dollar verkaufe ich den Short Put, darüber den Bull Put Spread mit 20 Punkten Breite. Die Regeln dazu:

Das Rechenbeispiel oben erfüllt genau diese Regeln. Wie die Strategie über die Jahre abgeschnitten hat, mit allen Verlustphasen, steht in Delta 10 im Stillhaltergeschäft.

Auf Aktien, die ich besitzen will. Hier geht es mir um den Einstieg, nicht nur um die Prämie. Deshalb verkaufe ich solche Puts nur, wenn die Volatilität wirklich hoch ist: bei einem IV Rank oder einer IV Percentile über 90. In 90 Prozent der letzten 52 Wochen war die Volatilität dann niedriger als jetzt, die Prämie ist also so hoch wie selten. Diese Strategie ist Teil meines Monatsplans mit sieben Strategien.

Checkliste vor jedem Cash Secured Put

  1. Will ich die Aktie zum Strike besitzen? Wenn nicht, ist es der falsche Trade.
  2. Ist das Geld für die Zuweisung da? Strike mal 100, für jeden Kontrakt.
  3. Liegt ein Earnings-Termin in der Laufzeit? Dann warten oder einen anderen Verfall wählen.
  4. Hängt der Kurs an einer einzelnen Entscheidung? Urteil, Zulassung, Studie: dann keinen nackten Put.
  5. Ist die Prämie hoch genug? Entweder über die Volatilität, IV Percentile über 70, oder über eine feste Mindestprämie wie 1 Dollar je Tag Laufzeit.
  6. Kenne ich Break-even und Verlust bei einem Kurssturz? Strike minus Prämie, und was passiert, wenn die Aktie 30 Prozent fällt.

Fazit

Der Cash Secured Put ist eine Kauforder mit Wunschpreis, für die du bezahlt wirst. Steigt oder bleibt die Aktie, behältst du die Prämie. Fällt sie, kaufst du sie günstiger als heute. Das macht ihn zu einer guten ersten Stillhalterstrategie.

Er ist aber keine sichere Strategie. Das Risiko ist das der Aktie, nur um die Prämie kleiner, und der Gewinn ist auf die Prämie begrenzt. Wer das akzeptiert und nur Aktien wählt, die er wirklich besitzen will, hat ein Werkzeug, das über viele Trades im Schnitt für das übernommene Risiko bezahlt wird. Wer es als Prämienautomat ohne Blick auf die Aktie nutzt, wird früher oder später von einem einzigen Kurssturz eingeholt.

Verkaufe nur Puts auf Aktien, die du zum Strike wirklich haben willst, und nur so viele, wie du bei Zuweisung bezahlen kannst.

Thorsten Eberhart
Über den Autor

Thorsten Eberhart ist Vollzeit-Trader aus Düsseldorf und erwirtschaftet sein Einkommen mit dem Optionshandel — überwiegend Stillhalterstrategien mit Fokus auf Risikomanagement. Er betreibt Options4Winners und den gleichnamigen YouTube-Kanal.

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Weiterbildung. Er stellt keine Anlageberatung oder konkrete Handlungsempfehlung dar. Der Optionshandel ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen, bei ungedeckten Verkaufspositionen auch darüber hinaus. Die Zahlen in den Rechenbeispielen sind konstruiert und dienen nur der Veranschaulichung. Frühere Ergebnisse lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen zu.