Diese Auswertung rechnet ohne die Absicherung, die zur Strategie gehört. In der Praxis hedge ich, sobald der O4W Best Indikator auf SPX oder SPY ein Short Open zeigt: Long Put oder Bear Put Spread, 14 bis 21 Tage Laufzeit, Delta 40 bis 50. Im Untersuchungszeitraum hat der Indikator, auf SPY-Tageskursen nachgerechnet, 31-mal auf Short Open gedreht, sechsmal allein 2022. Alle Verluste, Drawdowns und das Jahr 2022 in diesem Artikel sind ohne diesen Schutz gerechnet und damit eher zu pessimistisch. Was der Hedge kostet und zurückholt, ist nicht Teil der Rechnung.
Die Brot-und-Butter-Strategie handle ich live seit dem 1. Januar 2020, seit demselben Tag, an dem ich den O4W Best Indikator auf den Markt gebracht habe. Beides gehört zusammen: Der Indikator liefert den Markt-Check und das Hedge-Signal, die Strategie den Cashflow. Im Club ist sie das Regelwerk, mit dem Woche für Woche die Prämien eingenommen werden: Short Put bei Aktien unter 100 Dollar, Bull Put Spread mit 20 Punkten Breite darüber, immer bei Delta 10, 45 bis 75 Tage Laufzeit, keine Quartalszahlen in der Laufzeit, mindestens 1 Dollar Prämie je Tag. Take Profit bei 50 Prozent in der ersten Laufzeithälfte, sonst 75 Prozent. Stop, wenn sich die Prämie verdreifacht hat.
Die Kritik an Delta 10 kennt jeder: Für 40 oder 50 Dollar Prämie trägt man 2.000 Dollar Risiko. Ein Verlierer frisst vier Gewinner. Pennies vor der Dampfwalze. Ich höre das seit sechseinhalb Jahren, und mein Konto sagt etwas anderes. Trotzdem wollte ich es nicht nur mit meinem Journal belegen, sondern mit allen Kursen des Zeitraums, auf 22 Basiswerten und mit denselben Regeln, so dass jeder die Rechnung nachvollziehen kann.
Delta 10 verspricht, dass der Put in 10 von 100 Fällen im Geld verfällt. Geliefert hat der Markt 5,9. Von dieser Differenz lebt die Strategie, und sie hat zwei Quellen: eine Vola-Prämie, die auch im Bärenjahr blieb, und einen Markt, der meistens stieg.
So wurde gerechnet
Basiswerte sind die zwanzig US-Aktien mit dem höchsten Optionsvolumen plus SPY und USO, insgesamt 22 Titel. Einstieg an jedem zweiten Montag ab dem 6. Januar 2020, Optionskette zwischen 40 und 75 Tagen Laufzeit, damit der Monatsverfall am nächsten an 45 Tagen getroffen wird. Short Put beim Delta, das am nächsten an 10 liegt. Für jeden Kontrakt habe ich die komplette Preishistorie bis zum Verfall geholt, Tag für Tag, damit Take Profit und Stop so geprüft werden, wie ich sie am Bildschirm sehe. Marks zum Mittelkurs, keine Gebühren.
Ausgeschlossen wurden Trades mit Quartalszahlen in der Laufzeit, Trades über ein Splitdatum, Kurse unter 20 oder über 1.000 Dollar und Einstiege mit weniger als 1 Dollar Prämie je Tag. Übrig bleiben 1.098 Trades. Das ist ein Backtest, kein Kontoauszug. Er zeigt, ob die Regeln einen Vorteil haben, nicht, was auf meinem Konto steht.
Das Versprechen und die Wirklichkeit
Die erste Frage ist die einfachste: Wie oft steht der Kurs am Verfallstag unter dem Short-Strike? Das Delta wird gern als diese Wahrscheinlichkeit gelesen, also 10 Prozent. Genau genommen ist das Delta nur eine Näherung. Rechnet man aus Kurs, Strike, Laufzeit und impliziter Volatilität die Wahrscheinlichkeit aus, die der Optionspreis selbst enthält, kommen bei meinen Delta-10-Puts im Schnitt 13 Prozent heraus. Gemessen über alle Einstiege, gehalten bis zum Verfall, sind es 5,9 Prozent. Und das ist kein Zufall bei Delta 10, es gilt bei jedem Delta.
| Delta | Prämie vom Kurs | Im Geld am Verfall | Trefferquote | 5 % schlimmste Trades |
|---|---|---|---|---|
| 5 | 0,50 % | 3,1 % | 97,2 % | +0,15 % |
| 10 | 0,95 % | 5,9 % | 94,4 % | −0,9 % |
| 16 | 1,49 % | 12,2 % | 89,7 % | −4,5 % |
| 20 | 2,01 % | 15,4 % | 87,3 % | −6,8 % |
| 30 | 3,24 % | 25,6 % | 81,3 % | −10,4 % |

Bei Delta 5 und 10 tritt nur rund 60 Prozent des vom Delta angezeigten Risikos ein, bei Delta 16 und 20 rund 77 Prozent, bei Delta 30 noch 85 Prozent. Der Abstand ist also weit aus dem Geld am größten und schmilzt zum Geld hin. Woher die Lücke kommt, lässt sich zerlegen. Die implizite Volatilität meiner Delta-10-Puts lag im Schnitt bei 48 Prozent, die während des Trades tatsächlich realisierte bei 40. In 81 Prozent der Trades war die Option teurer bewertet, als die Aktie sich danach bewegt hat. Rechnet man die eingepreiste Wahrscheinlichkeit mit der realisierten statt der impliziten Volatilität, fällt sie von 13 auf 9 Prozent. Diese 4,5 Punkte sind die Volatilitätsprämie, das Variance Risk Premium in Trefferquoten übersetzt. Die restlichen 3 Punkte bis zu den gemessenen 5,9 kommen aus der Marktrichtung: Von 2020 bis 2026 ist der Kurs während eines Trades im Schnitt um 4 Prozent gestiegen, und steigende Kurse lassen Puts seltener im Geld verfallen. Im Bärenjahr 2022 blieb von dieser zweiten Quelle nichts übrig, die Vola-Prämie aber blieb: 14 Prozent eingepreist, 9,7 mit realisierter Vola gerechnet, 9,5 eingetreten. Der Einwand „dann verkauf doch Delta 30, da ist mehr Prämie“ stimmt in Prozent vom Kurs. Aber die schlimmsten fünf Prozent der Trades kosten bei Delta 30 über zehn Prozent vom Kurs, bei Delta 10 unter einem. Delta 10 ist die Wahl für jemanden, der 94 von 100 Trades gewinnen will und die Verluste klein halten kann.
Die Rechnung, die jeder verstehen muss
Mit meinen Regeln, also Take Profit und Stop, enden 84,9 Prozent der Trades im Plus. Ein Gewinner bringt im Schnitt 71 Dollar, ein Verlierer kostet 290 Dollar. Ein Verlierer frisst also gut vier Gewinner. Die Dampfwalze ist echt.
Trotzdem bleibt je Trade ein positiver Erwartungswert, weil die Trefferquote hoch genug ist. Fünftausend Zufallsziehungen aus den 1.098 Trades legen ihn zwischen 7 und 25 Dollar. Eine einzige von fünftausend Ziehungen fällt unter null. Über die 1.098 Trades sind das 17.728 Dollar je Kontrakt.
Take Profit wird im Median nach sieben Handelstagen erreicht, mit 61 Prozent der Prämie. Das Kapital ist kurz gebunden. Diese Zahl wird später wichtig, wenn es um das Konto geht.
Die ehrliche Kurve seit 2020

| Jahr | Trades | Trefferquote | Ergebnis je Kontrakt |
|---|---|---|---|
| 2020 | 136 | 85 % | +4.816 $ |
| 2021 | 131 | 84 % | +162 $ |
| 2022 | 189 | 73 % | −4.805 $ |
| 2023 | 173 | 93 % | +8.101 $ |
| 2024 | 162 | 90 % | +4.155 $ |
| 2025 | 183 | 85 % | +2.590 $ |
| 2026 bis Juni | 124 | 86 % | +2.711 $ |
2020 mit dem Corona-Crash war ein gutes Jahr. Hohe implizite Volatilität heißt hohe Prämie, und hohe Prämie heißt weit entfernte Strikes. Die Einstiege im Februar und März haben 4.100 Dollar je Kontrakt gekostet, die von April bis Dezember 8.700 Dollar gebracht.
2022 ist das Verlustjahr, nicht 2020. Ein Bärenmarkt, der zwölf Monate Stück für Stück nach unten läuft, hat die Bull Put Spreads härter getroffen als der Crash. Trefferquote 73 Prozent, unter meiner Zielmarke von 80. Das ist der Preis der Strategie, und den muss man vorher kennen. Und 2022 ist zugleich das Jahr, in dem der Hedge aus dem Regelwerk sechsmal ausgelöst hätte, siehe den Kasten oben.
Wo ich nach der Untersuchung nachjustiere: der Stop
Das ist der Teil, der mich überrascht hat. 166 Trades wurden gestoppt, 15 Prozent. Davon wären 118, also 71 Prozent, wertlos verfallen. Die Stops haben 48.223 Dollar gekostet. Dieselben Trades bis zum Verfall gehalten: 34.334 Dollar Verlust. Unter dem Strich hat der Stop also 14.000 Dollar gekostet.
Der Grund ist die Mechanik weit aus dem Geld. Am Einstieg liegt der Short-Strike im Median 17 Prozent unter dem Kurs. Am Tag des Stops steht der Kurs im Median 12 Prozent unter dem Einstieg, in drei von vier Fällen ist die implizite Volatilität dabei gestiegen. Die Prämie hat sich verdreifacht, obwohl der Kurs im Median noch rund fünf Prozent über dem Strike steht. Der Mark sagt Verlust, der Strike hält. Und dann dreht der Markt.

| Stop-Regel | Trefferquote | EW je Trade | Ø Gewinner | Ø Verlierer | Schlimmster Trade |
|---|---|---|---|---|---|
| Stop bei −100 % | 73 % | 6 $ | +69 $ | −164 $ | −808 $ |
| Stop bei −200 % (meine Regel) | 85 % | 16 $ | +71 $ | −290 $ | −808 $ |
| Stop bei −300 % | 89 % | 18 $ | +72 $ | −417 $ | −915 $ |
| Stop bei −400 % | 92 % | 20 $ | +72 $ | −558 $ | −1.358 $ |
| nur Take Profit, kein Stop | 96 % | 28 $ | +73 $ | −1.080 $ | −2.250 $ |
| halten bis Verfall | 94 % | 43 $ | +113 $ | −1.093 $ | −2.250 $ |
Die ehrliche Einordnung: Der enge Stop kostet Rendite, aber er begrenzt den schlimmsten Trade auf 808 Dollar. Ohne Stop sind es 2.250 Dollar, ein 25 Punkte breiter Spread auf TSLA im April 2022, der komplett im Geld verfiel. Bei einem 20-Punkte-Spread ist der Totalverlust rund 1.900 Dollar, und ohne Stop kommt er vor. Wer vier Kontrakte handelt, muss sich fragen, ob er vier gleichzeitige Totalverluste aushält. Die Frage „Stop oder nicht“ beantwortet das Konto, nicht die Statistik. Was die Zahlen tragen: Stop bei −300 statt −200 Prozent. Trefferquote 89 Prozent, neun Prozent mehr Ertrag, schlimmster Trade kaum größer, 915 statt 808 Dollar. Genau das überlege ich seit dieser Untersuchung für meine eigenen Trades.
Meine Delta-Regel in der zweiten Laufzeithälfte
Eine Regel aus meiner Praxis, die im Club-Regelwerk nicht steht: Wenn ich in der zweiten Laufzeithälfte bei 75 Prozent Gewinn bin, schaue ich auf das Delta des Short Puts. Liegt es unter 30, lasse ich verfallen. Gerechnet greift das bei 103 der 1.098 Trades. Von diesen 103 endet genau einer im Minus, die anderen sammeln die restlichen 25 Prozent der Prämie ein. Je Trade sind das 17,30 statt 16,10 Dollar. Die Kehrseite zeigt sich erst im Depot: Der Platz bleibt bis zum Verfall belegt, und ein belegter Platz kann keinen neuen Trade aufnehmen.
Der Einwand: Delta 50 statt Delta 10
In den letzten Monaten kamen immer mehr Leser und Clubmitglieder zu mir und sagten, Delta 10 sei vollkommen falsch, am Geld liegende Puts seien fast immer die bessere Wahl. Und dann kamen die Argumente, die sie von Fachexperten im Optionshandel gehört hatten. Es sind im Kern drei. Erstens: Weit aus dem Geld liegende Optionen haben im Verhältnis zu ihrer winzigen Prämie ein viel größeres Vega, ein Vola-Sprung lässt sie prozentual explodieren, ohne dass der Kurs den Strike berührt. Zweitens: Ihr Theta sei so klein, dass „ich verkaufe Zeit“ bei steigender Vola kaum trage, ein Delta-10-Put brauche rund 15 Tage Zeitwert, um einen Vola-Punkt auszugleichen, ein Delta-50-Put nur sechs. Drittens: Deshalb sei Delta 50 in neun von zehn Fällen die bessere Wahl, Delta 10 nur nach einem Vola-Spike. Ich habe alle drei nachgerechnet.
Das Vega-Argument stimmt. Nach der Formel bewegt ein Vola-Punkt bei 45 Tagen Laufzeit und 30 Prozent IV einen Delta-10-Put um 11,8 Prozent seiner Prämie, einen Delta-50-Put um 3,1 Prozent. In der echten SPY-Kette vom 21. September 2026 mit 40 Tagen Laufzeit sind es 22,6 gegen 7,6 Prozent, weil der Delta-10-Put dort nur 2 Dollar kostet. In Prozent der Prämie reagiert der weit aus dem Geld liegende Put also drei- bis viermal so stark auf die Volatilität. Genau das ist die Mechanik aus dem Stop-Kapitel oben. Das Vega tut dem weh, der stoppt, nicht dem, der hält, denn 71 Prozent meiner gestoppten Trades wären wertlos verfallen.
Das Theta-Argument stimmt nicht. Nach der Formel ist das Verhältnis von Vega zu Theta bei allen Strikes derselben Laufzeit praktisch gleich: Bei 45 Tagen und 30 Prozent IV braucht ein Delta-10-Put 3,2 Tage Zeitwert je Vola-Punkt, ein Delta-50-Put 3,4 Tage. Theta ist weit aus dem Geld genauso klein wie Vega, beide hängen an der Prämie und skalieren zusammen; der Strike geht nur über den Zinsanteil ein, das sind die 3,2 gegen 3,4. In echten Ketten ist es sogar umgekehrt, weil der weit aus dem Geld liegende Put eine höhere IV trägt als der am Geld: SPY am 21. September 2026 mit 40 Tagen Laufzeit, Delta 10 verliert 2,3 Tage je Vola-Punkt, Delta 50 verliert 5,0. Bei 89 Tagen sind es 4,4 gegen 9,5. TSLA am selben Tag 1,3 gegen 1,6. SPY im Juli 2024 bei einem VIX von 12: 2,1 gegen 5,0.
| Delta | Prämie (Kurs 100) | Vega je Vola-Punkt | in % der Prämie | Tage Theta je Vola-Punkt |
|---|---|---|---|---|
| 10 | 0,52 $ | 0,062 $ | 11,8 % | 3,2 |
| 20 | 1,24 $ | 0,098 $ | 7,9 % | 3,2 |
| 30 | 2,12 $ | 0,122 $ | 5,8 % | 3,3 |
| 50 | 4,50 $ | 0,140 $ | 3,1 % | 3,4 |
Die 15 gegen 6 Tage, die dafür kursieren, lassen sich nur mit Optionen unterschiedlicher Laufzeit erzeugen: Ein Vega von 25 Prozent der Prämie bei 15 Tagen passt zu einem Delta-10-Put mit rund drei Monaten Restlaufzeit und niedriger IV, die 6 Tage zu einem Put am Geld mit sechs bis acht Wochen. Je länger die Laufzeit, desto mehr Tage kostet ein Vola-Punkt, und zwar bei jedem Strike. Vergleicht man gleiche Laufzeit mit gleicher Laufzeit, kehrt sich das Bild um.
Auch in echten Vola-Sprüngen hält die Aussage nicht. Ich habe drei nachgemessen, jeweils denselben Verfall vor und nach dem Sprung: den August 2024, als der VIX von 12 auf 38 lief, den März 2020 und den April 2025. In allen drei hat der Put am Geld mehr Theta-Tage durch den IV-Anstieg verloren als der Delta-10-Put, weil seine IV in Punkten stärker stieg. Was in Prozent der Prämie stärker explodiert, ist der Delta-10-Put, aber das ist die kleine Prämie zusammen mit dem Kursrutsch, nicht das Theta.
| Vola-Sprung (SPY) | Delta-10-Put: IV-Anstieg | Theta-Tage verloren | Prämie vervielfacht | Delta-50-Put: IV-Anstieg | Theta-Tage verloren | Prämie vervielfacht |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Juli auf August 2024, Kurs −7 % | +11,7 Punkte | 49 | × 8,3 | +9,6 Punkte | 101 | × 3,7 |
| Februar auf März 2020, Kurs −26 % | +19,1 Punkte | 138 | × 39 | +43,2 Punkte | 411 | × 13 |
| Februar auf April 2025, Kurs −20 % | +12,2 Punkte | 58 | × 19 | +39,6 Punkte | 413 | × 7,8 |
„Am Geld ist fast immer besser“ hält den Daten nicht stand. Dieselben 1.098 Einstiege, dieselbe Struktur, gehalten bis zum Verfall, bis Delta 40 (näher am Geld reichen meine gespeicherten Ketten nicht): Delta 40 bringt im Schnitt 104 Dollar je Trade, Delta 20 bringt 77, Delta 10 bringt 43. In Dollar gewinnt also das Geld, und zwar mit jedem Schritt näher heran. Aber die Trefferquote fällt von 94 auf 72 Prozent, und 2022 macht Delta 40 einen Verlust von 44.693 Dollar je Kontrakt bei 51 Prozent Treffer, Delta 10 im selben Jahr plus 3.430 Dollar. Setzt man den Schnitt ins Verhältnis zur Streuung, liegen Delta 20 bis 40 sogar leicht vor Delta 10, 0,15 gegen 0,13. Das Argument für Delta 10 ist also nicht der Erwartungswert. Es ist die Form der Kurve: 94 Prozent Treffer und beim Halten bis Verfall kein einziges Verlustjahr, während Delta 20, 30 und 40 im Jahr 2022 alle eines haben. Wer den höheren Schnitt will, soll näher ans Geld gehen. Aber er soll wissen, dass er damit 2022 kauft.
Warum es bei vielen trotzdem nicht klappt

Zum Mittelkurs bleiben 16 Dollar je Trade. Verkauft man zum Geldkurs, kauft zum Briefkurs zurück und gibt das Long-Bein zum Geld ab, bleiben minus 9 Dollar. Bei Delta 10 ist die Prämie so klein, dass die Geld-Brief-Spanne die ganze Marge auffrisst. Wer Market-Orders schickt oder auf illiquiden Strikes handelt, handelt für den Broker. Deshalb: Limit-Orders an der Mitte, nur liquide Basiswerte, Take-Profit-Order sofort nach dem Einstieg einstellen. Das ist kein Detail, das ist der Unterschied zwischen plus und minus.
Die kleinen Prämien rausnehmen
Meine Regel lautet: kein Trade unter 1 Dollar Prämie je Tag Laufzeit, bei 45 Tagen also 45 Dollar je Kontrakt. Das sortiert ein Viertel der Einstiege aus, zu 89 Prozent Short Puts auf niedrig notierten Titeln wie BAC, USO und INTC. Höhere Schwellen habe ich ebenfalls gerechnet.
| Mindestprämie je Tag | Trades | Trefferquote | EW je Trade |
|---|---|---|---|
| 1 $ | 1.098 | 84,9 % | 16 $ |
| 1,50 $ | 828 | 85,1 % | 20 $ |
| 2 $ | 577 | 83,9 % | 19 $ |
| 2,50 $ | 369 | 82,1 % | 16 $ |
Der Sweet Spot liegt bei 1,50 bis 2 Dollar je Tag. Darüber kippt es: Die Trefferquote fällt, die Stop-Quote steigt, und mit der Prämie kauft man sich die Vola-Aktien ins Depot, die 2022 die Verluste machen. Hohe Prämie je Tag heißt hohe Volatilität, und das sind dann MSTR, TSLA und IREN statt SPY und USO.
Was nicht hilft und was hilft
Das Regelwerk verlangt eine IV über 30 Prozent und ein IV-Perzentil über 40. Beides bringt in der Messung keinen besseren Schnitt je Trade: 16,30 Dollar mit dem IV-Filter, 15,20 Dollar mit beiden Filtern, gegen 16,10 ohne. Hohe Vola bringt mehr Prämie, aber keinen besseren Erwartungswert. Das deckt sich mit dem Artikel Hohe Prämien, hohes Risiko.
Was hilft, ist der Marktfilter: nur einsteigen, wenn der O4W Best Indikator auf SPY long steht. Das hebt den Schnitt je Trade von 16 auf 25 Dollar bei 87 Prozent Trefferquote und behält zwei Drittel der Einstiege. Die Aktie zusätzlich long zu verlangen bringt nichts mehr. Und die ETFs sind die ruhigere und ertragreichere Variante: SPY und USO 89 Prozent Treffer und 31 Dollar je Trade, die Aktien 84 Prozent und 12 Dollar.

Ist die Strategie erfolgreich? Das Konto
Der Schnitt je Trade sagt nichts über ein Konto. Deshalb habe ich ein Depot simuliert: 50.000 Dollar, maximal vier offene Positionen, an jedem Einstiegstag werden die freien Plätze mit den Trades der höchsten Prämie je Tag gefüllt, das offene Risiko darf das Konto nie übersteigen. Ergebnis mit meinen Regeln und Einstieg jeden zweiten Montag: 3,1 Prozent im Jahr auf das Konto, größter Drawdown 8,5 Prozent, ein Verlustjahr. SPY gekauft und gehalten brachte im selben Zeitraum 15,2 Prozent im Jahr bei 34 Prozent Drawdown.
Die 3 Prozent täuschen. Vier Positionen binden im Schnitt nur 8.000 Dollar Risiko. Auf dieses eingesetzte Kapital sind es rund 19 Prozent im Jahr. Die restlichen 40.000 Dollar liegen brach. Die Strategie ist pro eingesetztem Dollar gut und pro Konto mager. Genau so steht es auch im Regelwerk: vier Positionen als Obergrenze für 50.000 bis 100.000 Dollar, daneben der SPY-30-Tage-Trade. Sie ist eine Cashflow-Strategie, kein Depotersatz.
Der Weg zu 8 Prozent im Jahr
Drei Hebel, keiner davon heißt mehr Risiko je Trade.
Drei Hebel
- Kapitalumschlag statt Kapitaleinsatz. Ein Trade bindet im Median sieben Handelstage. Wer jeden Montag einsteigt statt jeden zweiten, füllt die vier Plätze doppelt so oft, bei gleichem offenem Risiko. In der Simulation steigt die Rendite von 3,1 auf 5,6 Prozent, der Drawdown bleibt unter 10 Prozent.
- Das Cash arbeiten lassen. Guthabenzins beim Broker, T-Bills oder ein Geldmarkt-ETF als Sicherheit. Im Zeitraum brachte das im Mittel 2,3 Prozent auf das Konto, 2023 bis 2025 rund 4 Prozent. Ohne diesen Hebel ist die Strategie in der Simulation auf 5 bis 7 Prozent gedeckelt.
- Sechs statt vier Positionen, Stop bei −300 Prozent, Prämie ab 1,50 Dollar je Tag. Damit landet die Simulation bei 9,7 Prozent im Jahr, davon 7,5 aus den Optionen und 2,2 aus den Zinsen, bei 16 Prozent Drawdown und einem Verlustjahr.
Was kein Hebel ist: zwei Kontrakte je Position. Das verdoppelt Ertrag und Drawdown im gleichen Verhältnis, bei vier Plätzen und wöchentlichem Einstieg 11 Prozent bei 19 Prozent Drawdown, bei acht Plätzen 15 Prozent bei 31 Prozent, und 2022 kostet dann 7.000 bis 11.000 Dollar. Kadenz und Zins dagegen bringen Rendite, ohne den Drawdown mitzuziehen. Und die Delta-Regel aus der zweiten Laufzeithälfte kostet im Depot Umschlag: Bei wöchentlichem Einstieg mit vier Plätzen liegt sie mit 4,9 Prozent unter den 5,6 Prozent der Standardregel. Sie lohnt nur, wenn Plätze frei bleiben.
Fazit: Ist Delta 10 nun für die Tonne?
Nein. Aber die Frage ist falsch gestellt, und das ist der eigentliche Befund dieser Rechnung. Delta 10 ist nicht die Option mit dem besten Erwartungswert. Näher am Geld verdient man je Trade mehr, und auch im Verhältnis zur Streuung liegt Delta 20 bis 40 leicht vorn. Wer Delta 10 handelt, um mehr zu verdienen, hat es nicht verstanden.
Delta 10 ist die Option mit der anderen Verteilung. 94 von 100 Trades gewinnen, beim Halten bis Verfall kein einziges Verlustjahr in sechseinhalb Jahren, während Delta 20, 30 und 40 im Jahr 2022 alle eines haben, bei Delta 40 mit minus 44.693 Dollar je Kontrakt. Der Preis dafür ist ein Verlierer, der vier Gewinner frisst, und eine Prämie, die auf Vola-Sprünge prozentual heftig reagiert. Wer das Zweite nicht aushält und mit dem Stop darauf reagiert, gibt einen großen Teil des Vorteils wieder ab. 71 Prozent meiner gestoppten Trades wären wertlos verfallen.
Die Argumente, die gegen Delta 10 vorgebracht werden, treffen also ein reales Problem, aber nicht den Kern. Ja, die Prämie ist klein, und ja, sie explodiert in Prozent, wenn die Vola springt. Das Theta-Argument dagegen ist falsch, und die Pauschalaussage „am Geld ist fast immer besser“ hält den Daten nicht stand, sobald man auf Trefferquote, Drawdown und das schlechteste Jahr schaut statt nur auf den Schnitt.
Delta 10 funktioniert unter vier Bedingungen, und jede einzelne kann den Vorteil ins Minus drehen: Mittelkurs-Fills, liquide Basiswerte, eine Mindestprämie von 1,50 Dollar je Tag und ein Stop, der nicht zu eng sitzt. Dazu ein Konto, das ein Jahr wie 2022 mit 73 Prozent Trefferquote und Verlust aushält, und der Hedge, der in dieser Rechnung noch fehlt. Wer das alles hat, bekommt mit Delta 10 keine höhere Rendite als mit Delta 30. Er bekommt eine ruhigere Kurve, die er durchhält. Und durchhalten ist im Stillhaltergeschäft das Einzige, was am Ende zählt.
Delta 10 verdient nicht mehr, es verdient anders. Der Kurs schließt zwischendurch doppelt so oft unter dem Strike, wie er am Verfall darunter steht. Ein Verlust kostet vier Gewinne. Und der Stop, der davor schützen soll, kostet mehr, als er spart.
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Weiterbildung. Er stellt keine Anlageberatung oder konkrete Handlungsempfehlung dar. Der Optionshandel ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Frühere, historische oder beispielhafte Ergebnisse lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen zu. Alle Zahlen stammen aus einem Backtest mit historischen Optionspreisen (ORATS) zum Mittelkurs, ohne Gebühren und ohne die im Regelwerk vorgesehene Absicherung; sie sind kein Kontoauszug. Die Liste der Basiswerte ist die heutige TOP20 nach Optionsvolumen und enthält damit Gewinner der vergangenen Jahre.