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Optionsstrategien

Optionshandel mit System: 7 Strategien für den Monatsplan

Die wenigsten traden nach Plan, und fast niemand nach einem System. Beides brauchst du. Der Plan sagt, was du willst. Das System sorgt dafür, dass es auch passiert, an festen Tagen, mit begrenzter Stückzahl und mit Absicherung. So sieht meines aus, mit sieben Strategien, die du nacheinander aufnehmen kannst.

Ich sehe es seit Jahren: Jemand hat drei Strategien gelernt, jede für sich verstanden, und handelt trotzdem aus dem Bauch. Montag ein Spread, weil ein Video dazu lief. Donnerstag nichts, weil der Tag voll war. Freitag zwei Trades auf einmal, weil der Markt gerade so gut aussah. Das Ergebnis ist kein Portfolio, sondern eine Sammlung von Zufällen. Und Zufälle lassen sich nicht auswerten, nicht verbessern und nicht ruhig aushalten, wenn der Markt dreht.

Ein System ändert das. Es legt fest, an welchem Tag du nach welcher Strategie schaust, wie viele Positionen du davon gleichzeitig hältst, wann du absicherst und wie viel Risiko du insgesamt trägst. Der Rest ist Handwerk. In diesem Artikel zeige ich dir das Gerüst, das ich selbst benutze, und die sieben Strategien, mit denen ich es fülle.

Das System im Video

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Der Monatsplan: die Voraussetzung für alles

Bevor es um eine einzige Strategie geht, brauchst du eine Monatsübersicht. Ein Kalender, in den du einträgst, an welchem Tag du nach welcher Strategie schaust. Nicht „wenn ich Zeit habe“, sondern ein fester Termin, wie ein Arzttermin. Das klingt banal, und genau deshalb macht es kaum jemand.

Der Monatsplan erfüllt drei Aufgaben. Erstens verhindert er, dass du Trades vergisst, die du dir vorgenommen hattest. Zweitens verhindert er das Gegenteil, nämlich dass du an einem guten Markttag fünf Positionen auf einmal eröffnest, weil alles so verlockend aussieht. Drittens macht er dein Handeln auswertbar: Wenn jeder Montag ein Brot-und-Butter-Trade ist, kannst du nach einem Jahr sagen, ob diese Strategie für dich funktioniert. Ohne den Plan weißt du das nie, weil jede Position unter anderen Umständen entstanden ist.

Ohne Monatsplan handelst du planlos, bist von den Märkten schnell überfordert und reagierst emotional. Das ist der sicherste Weg, Geld zu verlieren.

Wie du den Plan führst, ist zweitrangig. Ein Wandkalender reicht, eine Tabelle auch. Wichtig ist, dass jede Strategie darin einen festen Tag und eine feste Obergrenze hat.


Der Wochenrhythmus: drei Handelstage, zwei Lerntage

Alle sieben Strategien verteile ich auf drei Wochentage: Montag, Mittwoch, Freitag. Dienstag und Donnerstag bleiben frei, bewusst. Wie beim Training brauchst du Pausen, nicht für die Muskeln, sondern für den Kopf. An den freien Tagen lernst du, wertest aus oder schaust einfach nicht auf den Markt. Bei uns im Club liegen an diesen Tagen die Live-Treffen, aus demselben Grund.

Montag

  • Brot-und-Butter-Trade prüfenMarkt und Basiswert bullisch?
  • Jeden zweiten Montag: ZEBRA oder PMCCerst, wenn die ersten Strategien sitzen

Dienstag

  • Lernen, auswerten, Journal führen

Mittwoch

  • Einkaufsliste gegen die Volatilität prüfenHigh-Vola-Trade, wenn IV Rank über 90
  • Collar-Gelegenheiten im Aktiendepot
  • Jeden zweiten Mittwoch: Absicherung

Donnerstag

  • Lernen, auswerten, Journal führen

Freitag

  • Jeden zweiten Freitag: 30-Tage-Trade auf den SPYEinstiegskriterien erfüllt?

Das ist mein Rhythmus, nicht das Gesetz. Wer nur am Wochenende Zeit hat, legt die Prüfung auf Samstag und die Ausführung auf Montagmorgen. Entscheidend ist nicht der Tag, sondern dass es immer derselbe ist.


Die sieben Strategien

Mit einer einzigen Strategie kommst du nicht aus. Der Markt hat Phasen, in denen er steigt, fällt, schwankt oder einschläft, und eine Strategie, die in allen vieren funktioniert, gibt es nicht. Deshalb brauchst du mehrere, aber nicht alle auf einmal. Die Reihenfolge hier ist zugleich die Reihenfolge, in der du sie aufnehmen solltest: Die ersten beiden bilden das Fundament, die letzten drei sind für Fortgeschrittene. Zu jeder Strategie gibt es auf meinem Kanal ein eigenes Video, hier geht es um ihren Platz im System.

1. Die Brot-und-Butter-Strategie: der Bull Put Spread

Marktphase
Gesamtmarkt und Basiswert bullisch
Aufbau
Short Put verkaufen, tieferen Long Put kaufen
Im System
Jeden Montag prüfen, maximal 4 offen
Für wen
Einsteiger, erste Strategie überhaupt

Meine Lieblingsstrategie und der ständige Begleiter der meisten Optionshändler, die ich kenne. Vor jedem Trade prüfe ich zwei Dinge: Ist der Gesamtmarkt bullisch? Für mich heißt das der S&P 500, weil ich fast ausschließlich in den USA handle. Und ist der Basiswert selbst bullisch, auf den ich die Option schreiben will? Erst wenn beides stimmt, kommt der Trade auf den Tisch.

Ich empfehle am Anfang immer, mit Spreads zu arbeiten, nicht mit nackten Puts. Ein nackter Short Put kann bei der Andienung 100 Aktien ins Depot bringen, und Aktien können auf null fallen. Der Bull Put Spread begrenzt das. Ein Beispiel: Short Put bei 100 Dollar, Long Put bei 90 Dollar. Dazwischen liegen 10 Punkte mal 100, also höchstens 1.000 Dollar Verlust, abzüglich der Prämie, die du bei der Eröffnung sofort vereinnahmst. Du weißt in der ersten Sekunde, was du maximal verlieren kannst, und deine Margin bleibt überschaubar.

Im System heißt das: Jeden Montag schaue ich in den Markt und in die Aktien auf meiner Liste. Sind die Kriterien erfüllt, eröffne ich einen Trade, sonst nicht. Und ich begrenze die Anzahl. Für ein Konto von 50.000 bis 100.000 Dollar sind vier offene Brot-und-Butter-Trades eine gute Obergrenze. Erst wenn einer davon geschlossen ist, hoffentlich mit Gewinn, kommt der nächste. Das schützt dich vor dem häufigsten Anfängerfehler: zu viele Positionen, zu wenig Übersicht, und dann die emotionale Entscheidung, alles zu früh zu schließen.

2. Die 30-Tage-Strategie auf den SPY

Marktphase
Neutral bis bullisch
Aufbau
Bull Put Spread auf den S&P-500-ETF, rund 30 Tage Laufzeit
Im System
Jeden zweiten Freitag prüfen, maximal 2 offen
Für wen
Einsteiger, zweite Strategie

Der Bull Put Spread lässt sich auch rein systematisch auf den Gesamtmarkt handeln. Der SPY ist der bekannteste ETF auf den S&P 500, und die 30-Tage-Laufzeit ist der Bereich, in dem der Zeitwert am zuverlässigsten schmilzt. Es gibt feste Einstiegskriterien, und wenn sie erfüllt sind, wird der Trade eröffnet. Keine Meinung, kein Bauchgefühl.

Ich prüfe das zweimal im Monat, jeden zweiten Freitag, und halte höchstens zwei dieser Positionen gleichzeitig. Wer schon länger dabei ist und sein Risikomanagement im Griff hat, darf das hochskalieren. Für den Anfang gilt: Erst ins Tun kommen, mit kleinen Stückzahlen. Wenn dich das System zu Beginn überfordert, reagierst du emotional, und dann schließt du Positionen zu früh. Das ist genauso teuer wie zu spät.

3. Die High-Vola-Strategie: Puts auf Lieblingsaktien

Marktphase
Hohe Volatilität, IV Rank oder IV Percentile über 90
Aufbau
Cash Secured Put auf eine Aktie, die du sowieso haben willst
Im System
Einkaufsliste vorab, jeden Mittwoch prüfen
Für wen
Einsteiger als Bull Put Spread, sonst Cash Secured Put

Was für den Immobilienmakler „Lage, Lage, Lage“ ist, ist für den Stillhalter die Volatilität. Sie bestimmt den Preis der Option, und wer Optionen verkauft, will hohe Preise. Deshalb ist die dritte Strategie eine meiner liebsten: Cash Secured Puts auf meine Lieblingswerte, aber nur, wenn die Volatilität wirklich hoch ist. Meine Schwelle liegt beim IV Rank oder IV Percentile über 90. Das heißt: In 90 Prozent der letzten 52 Wochen war die Volatilität niedriger als jetzt.

Solche Phasen entstehen bei Korrekturen und geopolitischen Schocks. Der Markt wird nach unten gerissen, die Volatilität schießt hoch, und mit nach unten gezogen werden Aktien, deren Geschäft mit dem Anlass nichts zu tun hat. Genau die stehen auf meiner Einkaufsliste. Statt sie sofort zu kaufen, verkaufe ich einen Put zu dem Preis, den ich für fair halte. Dann gibt es zwei Ausgänge, und beide sind gut: Entweder die Aktie erholt sich, und ich behalte eine sehr hohe Prämie. Oder sie fällt weiter, und ich bekomme meine Lieblingsaktie zu meinem Wunschpreis ins Depot, plus Prämie. Wer die Position vor der Andienung mit Gewinn schließen will, kann sie auch rollen, das ist aber schon die nächste Stufe.

Für Einsteiger empfehle ich auch diese Strategie als Bull Put Spread, nicht als Cash Secured Put. In solchen Phasen weiß niemand, wo der Boden liegt, und der Long Put darunter ist die Absicherung, die du dann brauchst. Warum ich nicht jede hohe Volatilität trade und worauf ich vorher schaue, habe ich in Hohe Prämien, hohes Risiko ausführlich beschrieben.

4. Die ZEBRA-Strategie: der Aktienersatz

Marktphase
Stark steigender Markt bei niedriger Volatilität
Aufbau
Reine Optionsposition, die 100 Aktien nachbildet
Im System
Jeden zweiten Montag, nur auf bullische Basiswerte
Für wen
Fortgeschrittene, nach den ersten drei Strategien

Die meiste Zeit steigt der Markt. Sonst gäbe es das langfristige Wachstum des S&P 500 nicht. In diesen Phasen ist die Volatilität oft niedrig, die Prämien sind mager, und die Stillhalterstrategien werden unattraktiv. Dann will man den Anstieg mitnehmen, und dafür nutze ich den ZEBRA, die Zero Extrinsic Back Ratio.

Der ZEBRA ist ein Aktienersatz, der nur aus Optionen besteht. Er bewegt sich wie 100 Aktien, kostet aber im Schnitt nur 20 bis 25 Prozent des Kapitals, das der Aktienkauf binden würde. Dazu kommt ein Vorteil, den Aktienbesitzer nicht haben: Das Delta der Position schwankt. Fällt der Kurs, verliert der ZEBRA weniger als die Aktie, steigt er, gewinnt er mit. Der einzige Nachteil: Ohne Aktien gibt es keine Dividende, für Dividendentitel ist die Strategie also nichts. Aufbau, Auszahlungsprofil und Fallen stehen in Die ZEBRA-Strategie.

5. Der Poor Man’s Covered Call

Marktphase
Bullisch bis seitwärts
Aufbau
Langlaufender Long Call ersetzt die Aktien, darauf kurzlaufender Short Call
Im System
Jeden zweiten Montag, im Wechsel mit dem ZEBRA
Für wen
Fortgeschrittene

Der klassische Covered Call braucht 100 Aktien im Depot, auf die du Calls verkaufst. Bei einer Aktie zu 400 Dollar sind das 40.000 Dollar, und das ist zugleich dein Maximalverlust, abzüglich der Prämie. Der Poor Man’s Covered Call ersetzt den Aktienbestand durch eine langlaufende Call-Option. Du bleibst rein im Optionsmarkt, zahlst am Anfang deutlich weniger, und was du zahlst, ist zugleich das Meiste, was du verlieren kannst.

ZEBRA und PMCC sind beides Debit-Trades: Du gibst Geld aus, statt Prämie einzunehmen, und genau das begrenzt das Risiko. Im Club setzen wir beide gern mit einer Absicherung auf, meist einem Bear Put Spread. Das funktioniert gut, ist aber komplexer. Wer gerade erst mit den ersten drei Strategien angefangen hat, lässt ZEBRA und PMCC besser noch liegen und holt sie nach, wenn das Fundament steht. Wie sich PMCC und Covered Call an einer realen Position unterscheiden, zeigt PMCC vs. Covered Call.

6. Die Collar-Strategie: der abgesicherte Covered Call

Marktphase
Bullisch bis seitwärts, mit echtem Aktiendepot
Aufbau
100 Aktien, Short Call darüber, Long Put darunter
Im System
Jeden Mittwoch nach Gelegenheiten im Depot schauen
Für wen
Alle, die Aktien halten

Wer ein echtes Aktiendepot führt, kennt den Covered Call: Aktien halten, Call verkaufen, Prämie kassieren. Das Problem ist die Unterseite. Fällt die Aktie stark, ist das Risiko bis auf null offen, die Prämie ändert daran wenig. Deshalb handle ich Aktienbestände nur mit einem Long Put darunter. Aus dem Covered Call wird der Collar: Der Call finanziert den Put, der Put versichert die Aktien.

Der Collar hat den Ruf, defensiv und langweilig zu sein. Defensiv stimmt. Langweilig nicht: Je nach Aufbau kann auch ein Collar schnell profitabel werden, und er lässt dich nachts schlafen, wenn eine Aktie über Nacht 15 Prozent verliert. Im Club fahren wir dafür eine eigene Variante.

7. LEAPS: langlaufende Optionen

Marktphase
Langfristig bullisch
Aufbau
Optionen mit einem Jahr Laufzeit oder mehr, etwa auf den SPY
Im System
Selten, nie nackt: als Spread oder mit laufender Absicherung
Für wen
Fortgeschrittene mit Absicherungsroutine

LEAPS sind nichts anderes als Optionen mit sehr langer Laufzeit, 365 Tage und mehr. Ein verkaufter Put mit einem Jahr Laufzeit auf den SPY bringt eine Prämie, die auf den ersten Blick beeindruckt. Genau deshalb steht die Strategie am Ende der Liste. Als Stillhalter kannst du jederzeit angedient werden, und bei einer Laufzeit von einem Jahr passiert in dieser Zeit alles Mögliche. Nackt, also ohne Absicherung, ist das hochgradig gefährlich.

Es gibt zwei Wege, das Risiko zu zähmen. Entweder du handelst auch die LEAPS als Bull Put Spread. Oder du lässt parallel dauerhaft eine Absicherung laufen. Was das heißt, kommt jetzt.


Die Absicherung: keine Option, sondern Pflicht

Schau dir die sieben Strategien an: Die Mehrheit sind Stillhalterpositionen. Als Stillhalter profitierst du davon, dass die Volatilität sinkt, und du leidest, wenn sie steigt. Nicht ein bisschen, sondern extrem, weil alle Positionen gleichzeitig gegen dich laufen. Deshalb ist Hedging in meinem System kein Zusatz für Fortgeschrittene, sondern ein fester Termin.

So sichere ich ab
  1. Fester Tag. Jeden zweiten Mittwoch im Monat steht die Absicherung im Plan, unabhängig davon, wie ruhig der Markt gerade wirkt. Ruhig ist er immer, bis er es nicht mehr ist.
  2. Ein Instrument, nicht zwei. Entweder ein Long Call auf den VIX: Steigt die Panik, steigt der Volatilitätsindex, und der Call gleicht die Verluste der Stillhalterpositionen aus. Oder ein Long Put auf den Gesamtmarkt, ob SPY, XSP oder SPX. Beides zusammen ist doppelt bezahlt.
  3. Für Fortgeschrittene: der Put Ratio Backspread. Höhere Einstiegskosten, aber richtig aufgesetzt und gemanagt trägt sich die Absicherung danach weitgehend selbst.
  4. Eingebaute Absicherung. Bei der Brot-und-Butter-Strategie und beim 30-Tage-Trade auf den SPY nutzen wir im Club zusätzlich ein Signal: Dreht der Trendindikator auf Short, kommt ein Long Put oder ein Bear Put Spread mit 14 bis 21 Tagen Laufzeit dazu.

Wie eine Absicherung gegen den echten Absturz aussieht, mit wenigen Cent pro Kontrakt, habe ich in Teenies als Black-Swan-Absicherung durchgerechnet.


Der Risiko-Check: alle Maximalverluste gegen das Konto

Wenn der Monatsplan steht, kommt der Schritt, den die meisten überspringen. Du nimmst jede geplante Position, schreibst ihren Maximalverlust daneben und addierst alles. Diese Summe setzt du ins Verhältnis zu deinem Konto. Ein konstruiertes Beispiel für einen Einsteigermonat mit 50.000 Dollar, bei dem alle Positionen voll besetzt sind:

PositionStückMaximalverlust je StückSumme
Brot-und-Butter, Spread 10 Punkte41.000 USD abzgl. Prämie4.000 USD
SPY 30 Tage, Spread 10 Punkte21.000 USD abzgl. Prämie2.000 USD
High-Vola als Spread, 15 Punkte11.500 USD abzgl. Prämie1.500 USD
Absicherung (Long Put SPY)1gezahlte Prämie, z. B. 400 USD400 USD
Gesamt7.900 USD = 15,8 % des Kontos

Die Zahl ist bewusst brutto gerechnet: Alle Positionen laufen gleichzeitig ins Maximum, die Prämien sind nicht abgezogen, die Absicherung zahlt nichts aus. So wird es fast nie kommen, aber genau diese Zahl musst du aushalten können. Dann die entscheidende Frage: Bekommst du bei diesem Betrag schlaflose Nächte? Wenn ja, ist das Volumen zu hoch. Dann handelst du eine Strategie weniger oder eine Stückzahl kleiner, bis die Zahl erträglich ist. Nicht umgekehrt. Ein System, das dich nachts wachhält, hältst du im ersten Rücksetzer nicht durch, und ein System, das du nicht durchhältst, ist keines.

Erst die Summe aller Maximalverluste, dann das Verhältnis zum Konto, dann die Frage: Kann ich damit schlafen? Wenn nicht, kleiner. Immer kleiner, nie mutiger.

Der Fahrplan für den Einstieg

Sieben Strategien sind viel. Niemand startet mit allen, ich habe das auch nicht getan. So würde ich es heute aufbauen:

  1. Papier zuerst. Die ersten Wochen im Demokonto, mit demselben Monatsplan, denselben Tagen, denselben Obergrenzen. Das System lernt sich am Papier genauso wie mit Geld, nur billiger.
  2. Brot und Butter plus SPY 30 Tage. Zwei Strategien, zwei feste Tage, sechs Positionen Obergrenze. Damit allein kannst du Monate verbringen, und viele bleiben zu Recht lange hier.
  3. Die Absicherung ab dem ersten echten Monat. Nicht später. Der zweite Mittwoch gehört von Anfang an dem Hedge, auch wenn er in ruhigen Monaten Geld kostet.
  4. High-Vola dazu, wenn der Markt sie liefert. Die Einkaufsliste kannst du sofort schreiben, der Trade kommt von allein, wenn die Volatilität über 90 springt. Am Anfang als Spread.
  5. ZEBRA und PMCC, wenn die ersten drei sitzen. Debit-Trades denken anders als Stillhalterpositionen. Wer beides gleichzeitig lernt, verwechselt die Regeln.
  6. Collar, sobald Aktien im Depot liegen. Und LEAPS ganz zum Schluss, nur mit Spread oder laufender Absicherung.

Bei jedem Schritt gilt: Erst wenn eine Strategie über mehrere Monate nach Plan gelaufen ist und im Journal steht, kommt die nächste dazu. Das System wächst mit dir, nicht vor dir her.


Fazit

Das Wichtigste ist nicht die Auswahl der Strategien, sondern die Ordnung: eine Monatsübersicht, feste Tage, feste Obergrenzen, eine Absicherung mit eigenem Termin und der Risiko-Check gegen das Konto. Die sieben Strategien füllen dieses Gerüst. Zwei davon tragen den Anfang, eine wartet auf hohe Volatilität, zwei bringen Kapitaleffizienz in steigende Märkte, eine schützt ein Aktiendepot, und eine ist nur mit Absicherung erlaubt.

Wer so handelt, hat am Monatsende nicht nur ein Ergebnis, sondern eine Erkenntnis: welche Strategie funktioniert hat und welche nicht. Das ist der Unterschied zwischen Traden und Raten.

Thorsten Eberhart
Über den Autor

Thorsten Eberhart ist Vollzeit-Trader aus Düsseldorf und erwirtschaftet sein Einkommen mit dem Optionshandel — überwiegend Stillhalterstrategien mit Fokus auf Risikomanagement. Er betreibt Options4Winners und den gleichnamigen YouTube-Kanal.

Die Zahlen in diesem Artikel (Spread-Breiten, Stückzahlen, Kontogrößen, Risiko-Rechnung) sind konstruierte Beispiele zur Veranschaulichung des Systems und keine Handelsempfehlung. Welche Stückzahlen und Obergrenzen zu deinem Konto passen, hängt von deiner Erfahrung, deinem Kapital und deiner Risikotragfähigkeit ab. Dieser Artikel dient der Information und Weiterbildung. Er stellt keine Anlageberatung dar. Der Optionshandel ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Frühere, historische oder beispielhafte Ergebnisse lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen zu.