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Trade-Management

Rollen von Optionen

Wie man Optionspositionen aktiv verwaltet, statt sie unkontrolliert auslaufen zu lassen.

Grundlagen

Was ist Rollen?

Rollen bedeutet, eine bestehende Optionsposition zu schließen und im selben Schritt eine neue Position auf denselben Basiswert zu eröffnen — mit einem anderen Strike, einer anderen Laufzeit oder beidem. Es ist keine neue, unabhängige Entscheidung, sondern die Fortführung und Anpassung einer bestehenden Position.

Die drei Formen

Form Strike Laufzeit
Roll out
Roll up / down
Roll up/down & out

✓ = wird angepasst

Ziel ist meist, die Position „for a credit“ zu rollen — bei der Anpassung also zusätzliche Prämie zu vereinnahmen, statt draufzuzahlen.

LAUFZEIT → STRIKE ↑ Bestehende Position ROLL OUT ROLL UP ROLL UP & OUT ROLL DOWN ROLL DOWN & OUT
Im Detail

Die drei Formen im Einzelnen

Die Tabelle oben zeigt kompakt, was sich bei welcher Form ändert. Ausformuliert bedeutet das:

Roll out — nur die Laufzeit

Beim Roll out bleibt der Strike unverändert, nur das Verfallsdatum wird nach hinten verschoben. Man schließt die auslaufende Option und eröffnet dieselbe Option mit einer späteren Laufzeit. Damit verschafft man der bestehenden These schlicht mehr Zeit, ohne das Kursniveau zu verändern, an dem die Position ins Geld oder aus dem Geld läuft. Diese Form bietet sich an, wenn die Richtung stimmt, die erwartete Bewegung aber länger dauert als ursprünglich angenommen.

Roll up / down — nur der Strike

Beim Roll up oder Roll down bleibt die Laufzeit gleich, angepasst wird allein der Strike. Ein Roll up verschiebt den Strike nach oben, ein Roll down nach unten — je nachdem, in welche Richtung man die Position an den Basiswert nachziehen möchte. Auf diese Weise verändert man das Chance-Risiko-Profil innerhalb derselben Laufzeit, etwa um einer Short-Option mehr Abstand zum aktuellen Kurs zu geben oder um bewusst näher ans Geld zu rücken.

Roll up/down & out — Strike und Laufzeit

Die kombinierte Form verschiebt Strike und Laufzeit in einem einzigen Schritt: Man passt gleichzeitig das Kursniveau (up oder down) und das Verfallsdatum an. Das ist die flexibelste Variante, denn sie erlaubt es, eine Position vollständig neu aufzustellen — mehr Zeit und ein besser gewählter Strike zugleich. In der Praxis lässt sich gerade diese Form am ehesten „for a credit“ umsetzen, weil die zusätzliche Laufzeit neue Prämie in die Anpassung bringt.

Entscheidung

Wann rollt man — und wann nicht?

Rollen ist ein Werkzeug, kein Automatismus. Die Entscheidung hängt an der These zum Basiswert, an den Kosten der Anpassung und an den Alternativen.

Rollen sinnvoll

  • These bleibt intakt: Die Position wird kurzfristig getestet, die fundamentale/technische Einschätzung zum Basiswert hat sich aber nicht geändert.
  • Für Kredit rollbar: Die Anpassung bringt zusätzliche Nettoprämie und verbessert Breakeven oder Risikoprofil.
  • Assignment vermeiden: Short-Option ist nah am Geld / im Geld kurz vor Verfall, die Zuteilung soll umgangen werden.
  • Gewinn sichern und fortführen: Position ist profitabel, das Exposure soll aber weitergeführt werden (z. B. laufende Einkommensstrategie).
  • Zeitwert-Vorteil nutzen: Kurz vor Verfall lässt sich der verbleibende Zeitwert effizient in eine neue Laufzeit übertragen.
  • Volatilitätsumfeld passt: Neue Laufzeit/Strike bietet ein attraktiveres Prämien-Risiko-Verhältnis als die aktuelle Position.

Nicht rollen

  • These ist gebrochen: Fundamentale oder technische Rahmenbedingungen haben sich grundlegend geändert — Rollen verschiebt hier nur den Verlust, statt das Problem zu lösen.
  • Nur für Debit, ohne Verbesserung: Die Anpassung kostet zusätzliches Kapital, ohne Breakeven oder Risiko spürbar zu verbessern.
  • „Rollen um des Rollens willen“: Wiederholtes Rollen ohne klare Exit-Strategie schiebt das Risiko nur unbegrenzt weiter auf.
  • Schlechte Liquidität: Breite Spreads in neuer Laufzeit/Strike machen die neue Position unattraktiv oder schwer wieder zu schließen.
  • Kapital anderswo besser eingesetzt: Opportunitätskosten sprechen fürs Glattstellen und Umschichten in eine bessere Gelegenheit.
  • Event-Risiko unattraktiv: Bevorstehende Earnings o. Ä. machen die neue Laufzeit riskanter, ohne dass die Prämie das kompensiert.
Thorsten Eberhart
Über den Autor

Thorsten Eberhart ist Vollzeit-Trader aus Düsseldorf und erwirtschaftet sein Einkommen mit dem Optionshandel — überwiegend Stillhalterstrategien mit Fokus auf Risikomanagement. Er betreibt Options4Winners.

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Weiterbildung. Er stellt keine Anlageberatung oder konkrete Handlungsempfehlung dar. Der Optionshandel ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Frühere, historische oder beispielhafte Ergebnisse lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen zu.