Trade-Management
Wie man Optionspositionen aktiv verwaltet, statt sie unkontrolliert auslaufen zu lassen.
Rollen bedeutet, eine bestehende Optionsposition zu schließen und im selben Schritt eine neue Position auf denselben Basiswert zu eröffnen — mit einem anderen Strike, einer anderen Laufzeit oder beidem. Es ist keine neue, unabhängige Entscheidung, sondern die Fortführung und Anpassung einer bestehenden Position.
Rollen setzt voraus, dass die Position und ihre Verpflichtung verstanden sind. Wer dort noch nicht sicher ist, sollte zuerst den Einstieg in den Optionshandel lesen.
| Form | Strike | Laufzeit |
|---|---|---|
| Roll out | – | ✓ |
| Roll up / down | ✓ | – |
| Roll up/down & out | ✓ | ✓ |
✓ = wird angepasst
Ziel ist meist, die Position „for a credit“ zu rollen — bei der Anpassung also zusätzliche Prämie zu vereinnahmen, statt draufzuzahlen.
Die Tabelle oben zeigt kompakt, was sich bei welcher Form ändert. Ausformuliert bedeutet das:
Beim Roll out bleibt der Strike unverändert, nur das Verfallsdatum wird nach hinten verschoben. Man schließt die auslaufende Option und eröffnet dieselbe Option mit einer späteren Laufzeit. Damit verschafft man der bestehenden These schlicht mehr Zeit, ohne das Kursniveau zu verändern, an dem die Position ins Geld oder aus dem Geld läuft. Diese Form bietet sich an, wenn die Richtung stimmt, die erwartete Bewegung aber länger dauert als ursprünglich angenommen.
Beim Roll up oder Roll down bleibt die Laufzeit gleich, angepasst wird allein der Strike. Ein Roll up verschiebt den Strike nach oben, ein Roll down nach unten — je nachdem, in welche Richtung man die Position an den Basiswert nachziehen möchte. Auf diese Weise verändert man das Chance-Risiko-Profil innerhalb derselben Laufzeit, etwa um einer Short-Option mehr Abstand zum aktuellen Kurs zu geben oder um bewusst näher ans Geld zu rücken.
Die kombinierte Form verschiebt Strike und Laufzeit in einem einzigen Schritt: Man passt gleichzeitig das Kursniveau (up oder down) und das Verfallsdatum an. Das ist die flexibelste Variante, denn sie erlaubt es, eine Position vollständig neu aufzustellen — mehr Zeit und ein besser gewählter Strike zugleich. In der Praxis lässt sich gerade diese Form am ehesten „for a credit“ umsetzen, weil die zusätzliche Laufzeit neue Prämie in die Anpassung bringt.
Der mit Abstand häufigste Anlass zum Rollen ist ein verkaufter Put, der ins Geld gelaufen ist. Das folgende Beispiel rechnet genau diesen Fall durch — als Roll down & out, also Strike und Laufzeit in einem Schritt.
| Transaktion | Je Aktie | Je Kontrakt |
|---|---|---|
| Put 95 verkauft — vor 25 Tagen | +2,00 USD | +200 USD |
| Put 95 zurückgekauft | −3,40 USD | −340 USD |
| Put 92 verkauft — 45 Tage Laufzeit | +4,10 USD | +410 USD |
Der Roll selbst bringt −340 USD + 410 USD = 70 USD zusätzlich ein. Er ist damit „for a credit“ gerollt — die neue Laufzeit finanziert den Rückkauf der alten Position.
Über alle drei Transaktionen sind 2,00 − 3,40 + 4,10 = 2,70 USD je Aktie vereinnahmt. Der Breakeven der neuen Position ist der neue Strike abzüglich dieser Gesamtprämie: 92 − 2,70 = 89,30 USD. Vor dem Roll lag er bei 95 − 2,00 = 93,00 USD. Die Aktie darf jetzt also 3,70 USD tiefer stehen, bevor die Position in den Verlust läuft.
Zwei Dinge, die diese Rechnung nicht zeigt und die man trotzdem mitdenken muss. Erstens die Zeit: Die Restlaufzeit ist von 5 auf 45 Tage gestiegen, das Kapital bleibt also neunmal so lange gebunden. Zweitens das Risiko: Die Verpflichtung ist zwar von 95 auf 92 je Aktie gesunken, aber sie ist nicht verschwunden. Fällt die Aktie auf 70, verliert auch die gerollte Position Geld — nur eben 3,70 USD je Aktie weniger als ohne Roll. Rollen verbessert die Ausgangslage, es beseitigt das Risiko nicht.
Die drei Formen gelten für beide Seiten. Was sich unterscheidet, ist die Zahlungsrichtung — und damit die Frage, wann ein Roll überhaupt sinnvoll ist.
Als Stillhalter kauft man die bestehende Option zurück und verkauft eine neue. Der Rückkauf kostet Geld, der Neuverkauf bringt welches ein. Entscheidend ist die Differenz: Bleibt unterm Strich ein Plus, ist „for a credit“ gerollt — genau der Fall im Beispiel oben. Bleibt ein Minus, zahlt man dafür, das Problem zu vertagen. Das kann im Einzelfall richtig sein, sollte aber die bewusste Ausnahme bleiben, nicht die Gewohnheit.
Beim Rollen einer gekauften Option verkauft man die bestehende und kauft eine neue. Hier ist der Normalfall umgekehrt: Mehr Laufzeit kostet mehr Prämie, ein Roll out läuft also fast immer „for a debit“. Man schießt Kapital nach, um der These mehr Zeit zu geben. Genau deshalb ist bei Long-Positionen die ehrlichere Frage meist nicht „wie rolle ich?“, sondern „würde ich diese Position heute neu eröffnen?“ — lautet die Antwort nein, ist Glattstellen die sauberere Entscheidung.
Ein Roll besteht aus zwei Transaktionen — aber er sollte nicht als zwei Orders ausgeführt werden.
Jede gängige Handelsplattform kennt den Roll als kombinierte Order: Rückkauf und Neuverkauf werden als ein Paket mit einem einzigen Nettopreis eingestellt und nur gemeinsam ausgeführt. Wer stattdessen erst zurückkauft und dann neu verkauft, steht zwischen den beiden Ausführungen ungedeckt im Markt. Bei einem ruhigen Basiswert sind das ein paar Sekunden ohne Folgen — bei einem, der gerade in Bewegung ist, also genau in der Lage, in der man üblicherweise rollt, kann sich der Preis der zweiten Order in dieser Lücke spürbar verschlechtern.
Der Nettopreis des Rolls wird als Limit vorgegeben — im Beispiel oben also ein Kredit von mindestens 0,70 USD. Eine Market-Order über zwei Beine läuft durch zwei Spreads gleichzeitig, und gerade in den Laufzeiten und Strikes, die beim Rollen interessant werden, sind diese Spreads oft breiter als beim ursprünglichen Einstieg. Wird das Limit nicht erfüllt, ist das eine Information, keine Panne: Der Markt bietet den Roll zu diesem Preis schlicht nicht an.
Der Nettokredit ist nicht das Ergebnis. Abzuziehen sind die Gebühren für beide Beine sowie der Spread, den man in beiden Transaktionen bezahlt. Bei liquiden Basiswerten fällt das kaum ins Gewicht, bei engen Nebenwerten kann es einen rechnerisch positiven Roll komplett aufzehren. Dazu kommt die Kapitalbindung: Die Margin bleibt über die gesamte neue Laufzeit reserviert. Ein Roll, der 70 USD einbringt und dafür 40 Tage lang mehrere Tausend USD an Sicherheitsleistung bindet, ist eine Renditerechnung — keine Selbstverständlichkeit.
Rollen ist ein Werkzeug, kein Automatismus. Die Entscheidung hängt an der These zum Basiswert, an den Kosten der Anpassung und an den Alternativen.
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Weiterbildung. Er stellt keine Anlageberatung oder konkrete Handlungsempfehlung dar. Der Optionshandel ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Frühere, historische oder beispielhafte Ergebnisse lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen zu.
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