Nachschlagewerk
Glossar Optionshandel
76 Begriffe aus dem Optionshandel — kurz und ohne Fachchinesisch erklärt. Von Ask bis Zeitwert.
A
- American Style
- Optionstyp, der jederzeit bis zum Verfall ausgeübt werden kann. Standard bei Aktienoptionen. Als Stillhalter musst du also jederzeit mit einer Zuweisung rechnen — nicht erst am Verfallstag.
- Ask (Briefkurs)
- Der Preis, zu dem ein Verkäufer bereit ist zu verkaufen. Du zahlst beim Kauf den Ask. Die Differenz zum Bid ist der Spread und damit ein Teil deiner Handelskosten.
- Assignment (Zuweisung)
- Der Käufer übt seine Option aus, du als Stillhalter musst liefern: beim Short Put die Aktien abnehmen, beim Short Call sie abgeben. Die Zuweisung erfolgt per Zufallsverfahren über die Clearingstelle.
- At the Money (ATM)
- Der Strike liegt ungefähr auf dem Kurs des Basiswerts. Hier ist der Zeitwert am höchsten — und damit auch die Prämie, die du als Stillhalter vereinnahmst.
- Ausübung (Exercise)
- Der Optionskäufer macht von seinem Recht Gebrauch und kauft oder verkauft den Basiswert zum Strike. Das Gegenstück zum Assignment auf der Stillhalterseite.
B
- Basiswert (Underlying)
- Der Wert, auf den sich die Option bezieht — eine Aktie, ein ETF, ein Index oder ein Future. Die Option leitet ihren Preis vollständig aus diesem Basiswert ab.
- Bid (Geldkurs)
- Der Preis, zu dem ein Käufer bereit ist zu kaufen. Du erhältst beim Verkauf den Bid. Bei illiquiden Optionen klaffen Bid und Ask weit auseinander — ein Warnsignal.
- Break-even
- Der Kurs des Basiswerts, bei dem die Position weder Gewinn noch Verlust macht. Beim Short Put: Strike minus erhaltene Prämie. Beim Short Call: Strike plus Prämie.
- Butterfly
- Kombination aus drei Strikes: ein Long, zwei Short in der Mitte, ein Long aussen. Begrenztes Risiko, begrenzter Gewinn, maximaler Ertrag genau am mittleren Strike.
- Buy to Close
- Rückkauf einer verkauften Option, um die Position zu schliessen. Der übliche Weg, einen Stillhaltertrade vorzeitig mit Gewinn zu beenden, statt bis zum Verfall zu warten.
C
- Call
- Option, die das Recht verbrieft, den Basiswert zum Strike zu kaufen. Der Käufer profitiert von steigenden Kursen, der Verkäufer von stagnierenden oder fallenden.
- Call Wall
- Der Strike oberhalb des Kurses mit dem grössten positiven Gamma-Bestand der Market Maker. Deren Absicherung wirkt dort bremsend, weshalb die Call Wall häufig als Widerstand beschrieben wird. Eine Kennzahl aus der Positionierung, kein Kursziel.
- Cash Secured Put
- Verkaufter Put, für den du das Kapital zum Kauf der Aktien vollständig bereithältst. Du vereinnahmst Prämie und nimmst die Aktie bei Zuweisung zum Strike ab — die Einstiegsseite der Wheel-Strategie.
- Collar
- Aktienposition kombiniert mit einem Short Call und einem Long Put. Die Call-Prämie finanziert die Absicherung nach unten, im Gegenzug ist der Gewinn nach oben gedeckelt.
- Covered Call
- Verkaufter Call auf Aktien, die du bereits besitzt. Du vereinnahmst Prämie und begrenzt gleichzeitig deinen Gewinn nach oben auf den Strike.
- Credit Spread
- Zwei Optionen gleicher Laufzeit, unterschiedlicher Strikes — netto erhältst du eine Prämie. Der gekaufte Schenkel begrenzt das Risiko, kostet aber einen Teil des Ertrags.
D
- Debit Spread
- Spread, bei dem du netto Prämie bezahlst. Gerichtete Wette mit begrenztem Einsatz und begrenztem Gewinn — das Gegenstück zum Credit Spread.
- Delta
- Zeigt, um wie viel sich der Optionspreis ändert, wenn der Basiswert sich um einen Punkt bewegt. Ein Delta von 0,30 heisst: 30 Cent Preisänderung pro Punkt. Grobe Faustregel: Delta entspricht ungefähr der Wahrscheinlichkeit, im Geld zu verfallen.
- Delta-neutral
- Ein Depot, dessen Deltas sich gegenseitig aufheben und das kurzfristig unabhängig von der Marktrichtung reagiert. Ziel vieler Stillhalterdepots.
- DEX (Delta Exposure)
- Aggregiertes Delta aller offenen Optionskontrakte auf einen Basiswert, meist auf die Market Maker gerechnet. Zeigt die Richtungsschieflage im Optionsmarkt: Ein stark negativer DEX bedeutet, dass Absicherungskäufe bei steigenden Kursen zu erwarten sind.
- Diagonal Spread
- Long und Short Option mit unterschiedlichen Strikes und unterschiedlichen Laufzeiten. Kombiniert Richtungsmeinung mit Zeitwertgewinn.
E
- Earnings
- Quartalszahlen eines Unternehmens. Davor steigt die implizite Volatilität stark an, danach fällt sie schlagartig — ein zentraler Termin für jede Optionsposition auf Einzelaktien.
- Erwartungswert
- Der durchschnittliche Gewinn oder Verlust pro Trade über viele Wiederholungen. Entscheidend für den Erfolg, nicht die Trefferquote: Eine Strategie mit 80 % Treffern kann trotzdem Geld verlieren.
- European Style
- Optionstyp, der nur am Verfallstag ausgeübt werden kann. Üblich bei Indexoptionen. Kein Risiko einer vorzeitigen Zuweisung.
F
- Future-Optionen
- Optionen auf Terminkontrakte statt auf Aktien — etwa auf Öl, Gold oder Weizen. Andere Kontraktgrössen, andere Margin-Berechnung, eigene Handelszeiten.
G
- Gamma
- Die Änderungsrate des Delta. Hohes Gamma bedeutet: Das Delta springt bei Kursbewegungen stark — typisch kurz vor Verfall bei Strikes nahe am Geld. Der Hauptgrund, Positionen nicht bis zum letzten Tag zu halten.
- Gamma Flip (γ-Flip)
- Das Kursniveau, an dem das aggregierte Gamma der Market Maker das Vorzeichen wechselt. Darüber wirkt ihre Absicherung dämpfend, darunter verstärkend — deshalb steigt unterhalb des Gamma Flip typischerweise die realisierte Volatilität.
- GEX (Gamma Exposure)
- Aggregiertes Gamma aller offenen Optionskontrakte, umgerechnet in Dollar je Indexpunkt. Positiver GEX gilt als volatilitätsdämpfend, negativer als verstärkend. Die Berechnung beruht auf Annahmen darüber, wer auf welcher Seite steht — die Zahlen verschiedener Anbieter weichen entsprechend voneinander ab.
- Griechen (Greeks)
- Sammelbegriff für die Sensitivitätskennzahlen Delta, Gamma, Theta, Vega und Rho. Sie beschreiben, worauf der Optionspreis reagiert — und wo dein Risiko liegt.
H
- Hedge (Absicherung)
- Position, die Verluste einer anderen Position auffangen soll. Kostet Prämie und schmälert die Rendite — der Preis für ein planbares Maximalrisiko.
I
- Implizite Volatilität (IV)
- Die vom Markt erwartete künftige Schwankungsbreite, abgeleitet aus dem Optionspreis. Hohe IV heisst hohe Prämien — und höheres Risiko. Für Stillhalter die wichtigste Kennzahl überhaupt.
- In the Money (ITM)
- Die Option hat inneren Wert: Call unter dem Kurs, Put darüber. Bei Verfall wird sie automatisch ausgeübt.
- Innerer Wert
- Der Betrag, um den eine Option im Geld liegt. Alles darüber hinaus ist Zeitwert. Aus dem Geld liegende Optionen haben keinen inneren Wert.
- Iron Condor
- Credit Spread auf der Put- und auf der Call-Seite gleichzeitig. Verdient, solange der Basiswert in einer Spanne bleibt. Risiko auf beiden Seiten begrenzt.
- IV Percentile
- Anteil der Handelstage im letzten Jahr, an denen die implizite Volatilität niedriger lag als heute. Ein IV Percentile von 80 heisst: An 80 % der Tage war die IV geringer. Berücksichtigt die gesamte Verteilung und ist damit robuster gegen einzelne Ausreisser.
- IV Rank
- Position der aktuellen impliziten Volatilität zwischen ihrem Tief und ihrem Hoch der letzten 52 Wochen, in Prozent. Formel: (aktuelle IV − Tief) ÷ (Hoch − Tief) × 100. Ein IV Rank von 80 heisst: Die IV liegt auf 80 % der Strecke zwischen Jahrestief und Jahreshoch — nicht, dass sie an 80 % der Tage höher war. Ein einzelner Volatilitätsschock hebt das Jahreshoch dauerhaft an und drückt den Rank für den Rest des Jahres nach unten.
- IV-Z-Score
- Abstand der aktuellen impliziten Volatilität von ihrem Mittelwert, gemessen in Standardabweichungen. Ein Z-Score von +2 heisst: zwei Standardabweichungen über dem Durchschnitt. Anders als IV Rank und IV Percentile ist der Wert nach oben offen und reagiert empfindlich auf die gewählte Zeitbasis.
J
- Jade Lizard
- Short Put plus Short Call Spread. Bei richtiger Konstruktion besteht nach oben kein Risiko, weil die Gesamtprämie die Breite des Call-Spreads übersteigt.
K
- Kontrakt
- Die Handelseinheit. Ein Aktienoptionskontrakt bezieht sich in der Regel auf 100 Aktien. Ein Put mit Strike 50 verpflichtet dich also zur Abnahme von Aktien im Wert von 5.000 Dollar.
- Kontraktgrösse
- Die Anzahl Einheiten des Basiswerts pro Kontrakt — der Multiplikator. Bei US-Aktienoptionen 100, bei Future-Optionen je nach Kontrakt sehr unterschiedlich.
L
- LEAPS
- Optionen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr. Werden als kapitalschonender Aktienersatz eingesetzt, etwa als Basis für die ZEBRA-Konstruktion.
- Liquidität
- Wie leicht sich eine Option handeln lässt. Erkennbar an engem Spread und hohem Open Interest. Illiquide Optionen kosten dich bei jedem Ein- und Ausstieg Geld.
- Long
- Gekaufte Position. Du hast ein Recht erworben, dein Maximalverlust ist die gezahlte Prämie. Gegenteil von Short.
M
- Margin
- Die Sicherheitsleistung, die dein Broker für offene Stillhalterpositionen blockiert. Sie ist keine Gebühr, sondern gebundenes Kapital — und begrenzt, wie viele Positionen du gleichzeitig führen kannst.
- Margin Call
- Aufforderung des Brokers, Kapital nachzuschiessen oder Positionen zu schliessen. Reagierst du nicht, liquidiert der Broker selbst — zu Kursen, die du nicht bestimmst.
- Multiplikator
- Faktor zwischen Optionspreis und tatsächlichem Geldbetrag. Bei 100 als Multiplikator entspricht eine notierte Prämie von 1,50 einem Betrag von 150 Dollar je Kontrakt.
N
- Nackte Option (Naked Option)
- Verkaufte Option ohne Absicherung durch den Basiswert oder einen Gegenschenkel. Höchste Prämie, höchster Margin-Bedarf, beim Short Call theoretisch unbegrenztes Risiko.
O
- Open Interest
- Anzahl der offenen Kontrakte in einer Option. Ein Indikator für Liquidität: Wenige hundert Kontrakte bedeuten meist breite Spreads und schlechte Ausführung.
- Option
- Vertrag über das Recht, einen Basiswert zu einem festen Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Der Käufer erwirbt ein Recht, der Verkäufer geht eine Verpflichtung ein und erhält dafür Prämie.
- Out of the Money (OTM)
- Die Option hat keinen inneren Wert: Call über dem Kurs, Put darunter. Verfällt sie so, ist sie wertlos — das Wunschszenario des Stillhalters.
P
- Poor Man's Covered Call
- Ersatz für den Covered Call ohne Aktienbesitz: ein tief im Geld liegender LEAPS-Call übernimmt die Rolle der Aktie, dagegen wird laufend ein kurzlaufender Call verkauft. Deutlich weniger Kapitaleinsatz, dafür läuft der Zeitwert des LEAPS gegen dich und es gibt keine Dividende.
- Prämie (Premium)
- Der Preis der Option. Der Käufer zahlt sie, der Verkäufer vereinnahmt sie. Sie setzt sich aus innerem Wert und Zeitwert zusammen.
- Put
- Option, die das Recht verbrieft, den Basiswert zum Strike zu verkaufen. Der Käufer profitiert von fallenden Kursen, der Verkäufer von stagnierenden oder steigenden.
- Put Wall
- Der Strike unterhalb des Kurses mit dem grössten Bestand offener Put-Kontrakte. Gilt als Zone, in der Absicherungsgeschäfte den Kurs stützen können. Wie die Call Wall eine Beobachtung zur Positionierung, keine Garantie.
- Put/Call Ratio
- Verhältnis gehandelter Puts zu Calls. Wird als Stimmungsindikator gelesen: hohe Werte deuten auf Absicherungsbedarf und Nervosität im Markt.
R
- Rho
- Sensitivität des Optionspreises gegenüber Zinsänderungen. Bei kurzen Laufzeiten praktisch vernachlässigbar, spürbar erst bei LEAPS.
- Rollen (Rolling)
- Schliessen einer Position und gleichzeitiges Eröffnen einer neuen mit späterem Verfall oder anderem Strike. Das zentrale Werkzeug im Stillhaltergeschäft, um Zeit zu kaufen — solange es für eine Nettoprämie gelingt.
S
- Sell to Open
- Eröffnung einer Stillhalterposition durch Verkauf einer Option. Die Prämie wird sofort gutgeschrieben, die Verpflichtung läuft bis zum Schliessen oder Verfall.
- Short
- Verkaufte Position. Du bist die Verpflichtung eingegangen, hast die Prämie erhalten — und trägst das Risiko. Gegenteil von Long.
- Skew
- Ungleiche Verteilung der impliziten Volatilität über die Strikes. Bei Aktien sind Puts meist teurer als Calls, weil Absicherung nach unten stärker nachgefragt wird.
- Spread
- Zwei Bedeutungen: die Differenz zwischen Bid und Ask, oder eine Kombination mehrerer Optionen zu einer Position. Aus dem Kontext ergibt sich, was gemeint ist.
- Stillhalter
- Wer Optionen verkauft statt kauft. Er vereinnahmt Prämie und übernimmt dafür eine Lieferverpflichtung. Zeitwertverfall arbeitet für ihn, nicht gegen ihn.
- Straddle
- Call und Put mit identischem Strike. Als Verkäufer verdienst du, solange sich der Kurs kaum bewegt; als Käufer bei einer grossen Bewegung in eine beliebige Richtung.
- Strangle
- Call und Put mit unterschiedlichen Strikes, beide aus dem Geld. Als Stillhalter breitere Gewinnzone als beim Straddle, dafür geringere Prämie.
- Strike (Basispreis)
- Der Preis, zu dem der Basiswert bei Ausübung gekauft oder verkauft wird. Die Wahl des Strike bestimmt Prämie, Wahrscheinlichkeit und Risiko der Position.
T
- Theta
- Der tägliche Zeitwertverlust einer Option. Für den Stillhalter der Ertrag, für den Käufer die laufende Kostenposition. Theta beschleunigt sich in den letzten Wochen vor Verfall.
- Trefferquote
- Anteil gewinnender Trades an allen Trades. Bei Stillhalterstrategien meist hoch — aussagekräftig ist sie nur zusammen mit der durchschnittlichen Verlusthöhe.
V
- Vega
- Sensitivität des Optionspreises gegenüber der impliziten Volatilität. Als Stillhalter bist du Vega-short: Steigt die IV, verlierst du zunächst, auch ohne Kursbewegung.
- Verfallstag
- Letzter Handelstag der Option. Bei US-Aktienoptionen üblicherweise der dritte Freitag im Monat, ergänzt um wöchentliche Verfälle.
- VIX
- Volatilitätsindex des S&P 500, abgeleitet aus Optionspreisen. Steigt in Stressphasen stark an — Orientierungsgrösse für das allgemeine Prämienniveau am Markt.
- Volatilität
- Mass für die Schwankungsbreite eines Kurses. Historische Volatilität blickt zurück, implizite Volatilität nach vorn. Die Differenz zwischen beiden ist die Ertragsquelle des Stillhalters.
- VRP (Variance Risk Premium)
- Der systematische Aufschlag der impliziten über die später tatsächlich realisierte Volatilität. Im Mittel positiv, weil Marktteilnehmer für Absicherung mehr zahlen, als sie statistisch müssten. Genau dieser Aufschlag ist die Ertragsquelle des Stillhalters — er verschwindet zeitweise und kehrt sich in Krisen kurzfristig um.
- VVIX
- Volatilität des VIX — abgeleitet aus Optionen auf den VIX selbst. Zeigt, wie stark der Markt Sprünge im Volatilitätsindex erwartet. Ein hoher VVIX bei niedrigem VIX deutet auf Nervosität unter ruhiger Oberfläche.
W
- Wheel (Rad-Strategie)
- Kreislauf aus Cash Secured Put, Zuweisung der Aktien und anschliessendem Covered Call, bis die Aktien wieder abgegeben werden. Danach beginnt der Zyklus von vorn.
Z
- ZEBRA
- Zero Extrinsic Back Ratio: zwei Long Calls tief im Geld gegen einen Short Call am Geld. Bildet die Aktie mit weniger Kapital nach, praktisch ohne Zeitwertverlust.
- Zeitwert
- Der Teil der Prämie, der über den inneren Wert hinausgeht. Er schmilzt bis zum Verfall auf null — genau davon lebt das Stillhaltergeschäft.
- Zuweisung
- Siehe Assignment.
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Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen ausschliesslich der Information und stellen keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Der Handel mit Optionen ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sowie darüber hinaus zu Nachschusspflichten führen.