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Optionsstrategien

Amazon bullish: Welche Optionsstrategie passt am besten?

Amazon überzeugt mit starkem AWS-Wachstum und hat erstmals die Marke von drei Billionen US-Dollar geknackt. Doch welche bullische Optionsstrategie passt jetzt am besten zu einer 45-Tage-Erwartung – Bull Put Spread, Bull Call Spread oder ZEBRA?

Amazon hat mit den jüngsten Quartalszahlen ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt. Der Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal 2026 um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden US-Dollar. Das operative Ergebnis erhöhte sich um 43 Prozent auf 27,5 Milliarden US-Dollar. Besonders stark entwickelte sich Amazon Web Services, kurz AWS: Der Segmentumsatz wuchs um rund 37 Prozent auf 42,2 Milliarden US-Dollar – das schnellste Wachstum seit 18 Quartalen. [1]

Die Börse reagierte entsprechend positiv. Anfang August erreichte Amazon erstmals eine Marktkapitalisierung von mehr als drei Billionen US-Dollar. Die Aktie schloss am 3. August 2026 bei 284,02 US-Dollar auf einem Rekordniveau. [2]

Für Optionshändler ergibt sich daraus eine interessante Ausgangslage: Die fundamentale und technische Entwicklung ist bullish, der Kurs hat aber bereits eine starke Bewegung vollzogen. Damit reicht die pauschale Aussage „Amazon ist bullish“ nicht aus. Entscheidend ist, wie stark und wie schnell die Aktie steigen soll – und welche Optionsstruktur diese Erwartung am präzisesten abbildet.

In diesem Beitrag vergleiche ich drei bullische Strategien mit einer Laufzeit von ungefähr 45 Tagen: den Bull Put Spread, den Bull Call Spread und den ZEBRA (Zero Extrinsic Back Ratio). Die konkreten Strikes und Prämien zeige ich im Video anhand der aktuellen Optionskette; dieser Artikel konzentriert sich auf den übertragbaren Entscheidungsprozess.

Nicht die Strategie bestimmt meine Markterwartung. Meine Markterwartung bestimmt die Strategie.

1. Erst den Basiswert analysieren, dann die Optionsstrategie auswählen

Viele Trader gehen den umgekehrten Weg: Sie finden eine interessante Optionsstrategie und suchen anschließend einen Basiswert, auf dem sie diese handeln können. Das ist problematisch, weil dieselbe Strategie je nach Kursziel, Geschwindigkeit der Bewegung, impliziter Volatilität und Risikobudget völlig unterschiedlich geeignet sein kann.

Vor dem Aufbau eines Trades sollte ich deshalb mindestens folgende Fragen beantworten:

2. Warum Amazon grundsätzlich bullish bleibt

Der wichtigste Wachstumstreiber ist weiterhin AWS. Das Cloud-Geschäft profitiert sowohl von klassischen IT-Workloads als auch von der steigenden Nachfrage nach Rechenleistung für künstliche Intelligenz. Im zweiten Quartal 2026 stieg der AWS-Umsatz auf 42,2 Milliarden US-Dollar. Das operative Ergebnis des Segments erhöhte sich von 10,2 auf 16,6 Milliarden US-Dollar. [1]

Hinzu kommen weitere strukturelle Treiber:

Die Nachfrage nach AWS-Kapazität ist so hoch, dass Amazon die Investitionsplanung für 2026 auf rund 220 Milliarden US-Dollar anhob. [3]

Der Kursanstieg basiert damit nicht nur auf einer abstrakten AI-Fantasie. Amazon zeigt eine tatsächliche Beschleunigung im wichtigsten Ergebnisbereich. Das unterstützt eine grundsätzlich bullische Einschätzung.

3. Die Risiken der bullischen These

Eine überzeugende Unternehmensentwicklung bedeutet nicht automatisch, dass jeder Einstiegskurs attraktiv ist. Nach dem Earnings-Sprung und dem anschließenden Rekordhoch sind mehrere Risiken zu beachten:

Amazon meldete für die zwölf Monate bis Ende Juni 2026 einen Free Cashflow von minus 7,6 Milliarden US-Dollar, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein positiver Wert von 18,2 Milliarden US-Dollar ausgewiesen worden war. Der Rückgang hängt vor allem mit den stark gestiegenen Investitionen in AI-Infrastruktur zusammen. [1]

4. Ist der Aktienverkauf von Jeff Bezos ein bearishes Signal?

Parallel zum neuen Allzeithoch wird über weitere Aktienverkäufe von Jeff Bezos berichtet. Die Schlagzeile wirkt zunächst negativ: Der Gründer verkauft, während Amazon eine Rekordbewertung erreicht.

Der zugrunde liegende Rule-10b5-1-Plan wurde jedoch bereits am 14. November 2025 eingerichtet. Er erlaubt unter bestimmten Bedingungen den Verkauf von bis zu 15 Millionen Amazon-Aktien bis zum 26. Februar 2027. Die Entscheidung wurde also nicht spontan nach dem jüngsten Kursanstieg getroffen. [4]

Ein vorab festgelegter Verkaufsplan besitzt deshalb weniger Informationsgehalt als ein überraschender, diskretionärer Insiderverkauf. Für die bullische These sind AWS-Wachstum, operative Margen, Kapitalrendite und Cashflow wesentlich wichtiger als die bloße Überschrift, dass Bezos Aktien verkauft.

5. Was bedeutet „bullish“ konkret?

Für den Strategievergleich unterstelle ich eine Laufzeit von ungefähr 45 Tagen. Dadurch vergleiche ich tatsächlich die Strukturen – und nicht gleichzeitig unterschiedliche Zeithorizonte.

Drei bullische Aussagen können sehr ähnlich klingen, führen aber zu unterschiedlichen Trades:

MarktaussagePassende Grundidee
Amazon fällt nicht deutlich.Bull Put Spread
Amazon steigt bis zu einem definierten Kursziel.Bull Call Spread
Amazon steigt innerhalb von 45 Tagen dynamisch; ich möchte ein hohes Delta.ZEBRA

6. Die Griechen: Wie setzt die Strategie meine Marktmeinung um?

Maximaler Gewinn, maximaler Verlust und Break-even zeigen nur das Ergebnis am Ende eines bestimmten Szenarios. Die Griechen erklären dagegen, wie sich der Positionswert auf dem Weg dorthin verändert. Für einen 45-DTE-Vergleich sind vor allem Delta, Gamma, Theta und Vega entscheidend. Rho spielt bei dieser kurzen Laufzeit meist eine untergeordnete Rolle.

Delta: Wie bullish ist die Position wirklich?

Delta beschreibt vereinfacht, um wie viel sich der theoretische Positionswert verändert, wenn Amazon um einen US-Dollar steigt oder fällt. Ein Positionsdelta von +30 entspricht zunächst ungefähr einer Kursreaktion von 30 US-Dollar pro einem Dollar Bewegung im Basiswert. Ein Delta von +90 reagiert wesentlich aktienähnlicher.

Gamma: Wie verändert sich das Delta?

Gamma misst, wie stark sich das Delta verändert, wenn sich Amazon bewegt. Gerade bei rund 45 Tagen Restlaufzeit kann Gamma mit näher rückendem Verfall schnell an Bedeutung gewinnen.

Theta: Was kostet oder verdient das Warten?

Theta beschreibt den theoretischen Effekt des reinen Zeitablaufs. Long-Optionen besitzen grundsätzlich negatives Theta, Short-Optionen positives Theta. Bei Spreads entscheidet die Nettokombination.

Vega: Wie reagiert der Trade auf Veränderungen der IV?

Vega zeigt, wie sensibel die Position auf eine Veränderung der impliziten Volatilität reagiert. Es beantwortet damit eine andere Frage als die Höhe der IV beim Einstieg: Vega zeigt die Reaktion auf eine Veränderung, nicht ob Optionen aktuell teuer oder günstig sind.

7. Die implizite Volatilität: Nicht nur die Richtung zählt

Die implizite Volatilität beschreibt, welche zukünftige Schwankungsintensität der Optionsmarkt aktuell einpreist. Sie gibt keine Richtung vor. Eine hohe IV bedeutet nicht automatisch fallende Kurse und eine niedrige IV nicht automatisch steigende Kurse.

Für die Strategiewahl müssen zwei Ebenen getrennt betrachtet werden:

Amazon nach den Quartalszahlen: IV-Crush berücksichtigen

Vor Quartalszahlen steigt die implizite Volatilität häufig, weil der Markt eine größere Bewegung erwartet. Nach Veröffentlichung der Zahlen verschwindet diese Ereignisprämie typischerweise schnell. Dieser Rückgang wird häufig als IV-Crush bezeichnet.

Für einen Einstieg nach den Earnings bedeutet das:

IV Rank, IV Percentile und erwartete Bewegung

Eine isolierte IV-Zahl ist schwer einzuordnen. Deshalb prüfe ich zusätzlich, wie die aktuelle IV im Vergleich zur eigenen Historie steht. IV Rank und IV Percentile können dabei helfen, auch wenn beide Kennzahlen unterschiedlich berechnet werden und vom betrachteten Zeitraum abhängen.

Darüber hinaus ist die vom Optionsmarkt eingepreiste erwartete Bewegung wichtig. Liegt mein Kursziel innerhalb einer ohnehin bereits hoch eingepreisten Bewegung, zahle ich möglicherweise viel für ein Szenario, das der Markt bereits erwartet. Liegt mein Ziel deutlich außerhalb der erwarteten Bewegung, muss ich begründen können, warum meine Prognose stärker ist als die Markterwartung.

Skew und Laufzeitstruktur

Nicht alle Optionen auf Amazon handeln mit derselben impliziten Volatilität. Häufig besitzen weiter aus dem Geld liegende Puts eine höhere IV als vergleichbare Calls. Dieser Put-Skew beeinflusst sowohl den Credit des Bull Put Spreads als auch die Kosten des Absicherungs-Puts.

Zusätzlich kann sich die IV zwischen verschiedenen Laufzeiten unterscheiden. Auch wenn alle drei Trades ungefähr 45 DTE besitzen, sollte geprüft werden, ob die gewählte Laufzeit im Vergleich zu benachbarten Verfallsterminen ungewöhnlich teuer oder günstig ist.

8. Strategie 1: Bull Put Spread

Bei einem Bull Put Spread verkaufe ich einen Put und kaufe gleichzeitig einen Put mit einem niedrigeren Strike. Der Long Put begrenzt das Risiko, der vereinnahmte Nettocredit definiert den maximalen Gewinn.

Amazon muss nicht stark steigen. Die Aktie soll lediglich oberhalb einer bestimmten Kursmarke bleiben.

Amazon darf steigen, seitwärts laufen oder moderat zurückfallen. Der Bull Put Spread ist damit eher neutral-bullish bis moderat bullish als stark direktional.

Griechen- und Volatilitätsprofil

VorteileNachteile
Amazon muss keinen starken Kursanstieg liefernDer Gewinn ist auf den Credit begrenzt
Der Zeitwertverfall kann die Position unterstützenDas Chance-Risiko-Verhältnis kann ungünstig sein
Maximaler Gewinn und maximaler Verlust sind definiertBei schnellem Rückgang arbeiten Delta, Gamma und steigende IV gleichzeitig gegen den Trade
Der Short Strike kann unterhalb einer technischen Unterstützung liegenEine nach den Earnings stark gefallene IV kann die Prämie unattraktiv machen

Wann passt er zu Amazon?

Der Bull Put Spread passt, wenn ich vor allem davon ausgehe, dass Amazon eine wichtige Unterstützungszone in den kommenden 45 Tagen nicht nachhaltig unterschreitet. Die Kernaussage ist nicht „Amazon explodiert nach oben“, sondern „Amazon fällt nicht deutlich“.

Beispiel mit realen Werten

Zur Veranschaulichung ein konkreter Bull Put Spread auf Amazon, ausgewertet in OptionStrat am 4. August 2026 bei einem Amazon-Kurs von 284,02 US-Dollar. Verkauft wird der 250er-Put, gekauft der 240er-Put, Verfall am 18. September 2026 (rund 45 Tage Laufzeit):

KennzahlWert (beispielhaft, Stand 4.8.2026)
StrukturShort 250 Put / Long 240 Put – Spread-Breite 10 Punkte
Netto-Credit = Max-Gewinn97 US-Dollar
Max-Verlust903 US-Dollar
Break-even249,03 US-Dollar (−12,3 % zum Kurs)
Implizite Volatilität35,6 %
Chance-Risiko-Verhältnisrund 1 : 9 (97 $ Gewinn gegen 903 $ Risiko)

GEWINN-/VERLUST-PROFIL BEI VERFALL

+97 € 0 € −500 € −903 € 240 250 BE 249 Kurs 284 +97 €

Bull Put Spread 250/240. Oberhalb 250 $ voller Credit (+97 $), unterhalb 240 $ Maximalverlust (−903 $). Break-even 249,03 $ – rund 12 % unter dem Kurs.

9. Strategie 2: Bull Call Spread

Beim Bull Call Spread kaufe ich einen Call und verkaufe einen höheren Call mit derselben Laufzeit. Der Short Call reduziert den Debit und begrenzt gleichzeitig den maximalen Gewinn.

Amazon soll innerhalb der nächsten 45 Tage bis in einen vorher definierten Zielbereich steigen.

Der Strike des Short Calls kann ungefähr in der Nähe des Kursziels liegen. Ich verzichte oberhalb dieses Niveaus bewusst auf zusätzliche Gewinne und reduziere dafür den Kapitaleinsatz.

Griechen- und Volatilitätsprofil

VorteileNachteile
Klar begrenzter maximaler VerlustAmazon muss innerhalb der Laufzeit ausreichend steigen
Geringerer Kapitaleinsatz und Zeitwert als bei einem einzelnen Long CallEine zu langsame Bewegung kann trotz richtiger Richtung enttäuschen
Gezielte Ausrichtung auf ein konkretes KurszielDer maximale Gewinn ist begrenzt
Einfaches und transparentes Chance-Risiko-ProfilEin zu niedriger Short Strike kappt einen stärkeren Ausbruch zu früh

Wann passt er zu Amazon?

Der Bull Call Spread passt, wenn ich einen moderaten bis deutlichen Anstieg innerhalb von 45 Tagen erwarte und ein plausibles Kursziel definieren kann. Er kauft nicht „unbegrenzte Bullishness“, sondern eine klar begrenzte Aufwärtsbewegung.

Beispiel mit realen Werten

Gleicher Auswertungstag (4. August 2026, Amazon 284,02 US-Dollar) und gleiche Laufzeit (Verfall 18. September 2026) wie beim Bull Put Spread. Gekauft wird der 280er-Call, verkauft der 300er-Call:

KennzahlWert (beispielhaft, Stand 4.8.2026)
StrukturLong 280 Call / Short 300 Call – Spread-Breite 20 Punkte
Netto-Debit = Max-Verlust862,50 US-Dollar
Max-Gewinn1.137,50 US-Dollar
Break-even288,63 US-Dollar (+1,6 % zum Kurs)
Implizite Volatilität32,9 %
Chance-Risiko-Verhältnisrund 1,3 : 1 (1.137,50 $ Gewinn gegen 862,50 $ Risiko)

GEWINN-/VERLUST-PROFIL BEI VERFALL

+1.138 € +500 € 0 € −500 € −863 € 280 300 BE 289 Kurs 284 +1.138 €

Bull Call Spread 280/300. Unterhalb 280 $ Maximalverlust (−863 $), oberhalb 300 $ Maximalgewinn (+1.138 $). Break-even 288,63 $ – der Trade braucht einen echten Anstieg.

10. Strategie 3: ZEBRA

ZEBRA steht für Zero Extrinsic Back Ratio. Ein bullischer ZEBRA besteht typischerweise aus zwei gekauften Calls mit höherem Delta und einem verkauften Call näher am aktuellen Aktienkurs. Der Aufbau zielt darauf, den extrinsischen Wert der Long Calls möglichst weitgehend durch den extrinsischen Wert des Short Calls auszugleichen.

Der ZEBRA ist keine ausschließlich langfristige Strategie

Der ZEBRA wird häufig als längerfristiger Aktienersatz dargestellt. Das ist nur eine mögliche Anwendung. In meinem Ansatz handelt es sich um einen Trade mit ungefähr 45 Tagen Laufzeit, der eine dynamische bullische Bewegung möglichst direkt abbilden soll.

Ich erwarte innerhalb der nächsten 45 Tage eine deutliche Aufwärtsbewegung und möchte mit hohem Delta möglichst aktienähnlich daran teilnehmen.

Griechen- und Volatilitätsprofil

VorteileNachteile
Hohes Positionsdelta und damit aktienähnliche PartizipationHöherer Kapitalbedarf als beim Bull Call Spread
Der Gewinn wird nicht durch einen klassischen oberen Short Call begrenztHöheres absolutes Verlustrisiko
Möglichst wenig bezahlter extrinsischer WertKomplexerer Aufbau und größere Bedeutung der exakten Strike-Auswahl
Klar definierter maximaler Verlust durch den gezahlten DebitBei rund 45 DTE ist sauberes Timing besonders wichtig
Starke Reaktion auf eine schnelle bullische BewegungZero Extrinsic darf nicht mit Zero Theta oder Zero Vega verwechselt werden

Wann passt er zu Amazon?

Der ZEBRA passt, wenn ich eine deutlich stärkere bullische Überzeugung besitze, ein hohes Delta wünsche und den Gewinn nicht an einem oberen Short Strike begrenzen möchte. Der Unterschied zum Bull Call Spread liegt nicht in der Laufzeit, sondern vor allem in Delta, Kapitalbedarf und offenem Gewinnpotenzial.

Beispiel mit realen Werten

Gleicher Auswertungstag (4. August 2026, Amazon 284,02 US-Dollar) und gleiche Laufzeit (Verfall 18. September 2026). Der ZEBRA besteht hier aus zwei gekauften 265er-Calls (tief im Geld) und einem verkauften 285er-Call:

KennzahlWert (beispielhaft, Stand 4.8.2026)
Struktur2× Long 265 Call / 1× Short 285 Call
Netto-Debit = Max-Verlust3.797,50 US-Dollar
Max-Gewinnnach oben offen
Break-even283,99 US-Dollar (praktisch auf Kursniveau)
Implizite Volatilität33,3 %
Kapitalbedarfrund das Vierfache von Bull Put/Call Spread

GEWINN-/VERLUST-PROFIL BEI VERFALL

+4.000 € +2.000 € 0 € −2.000 € −3.798 € 265 285 BE = Kurs 284 unbegrenzt ↗

ZEBRA (2×265 / 285). Break-even 283,99 $ – praktisch auf Kursniveau. Nach oben unbegrenzt und nahezu aktienähnlich, unterhalb 265 $ Maximalverlust (−3.798 $).

11. Direkter Vergleich: Struktur, Griechen und Volatilität

ALLE DREI STRATEGIEN – PAYOFF BEI VERFALL

+3.000 € +2.000 € 0 € −2.000 € −3.798 € 240 265 300 Kurs 284 Bull Put Spread Bull Call Spread ZEBRA

Die drei Profile im Vergleich. Bull Put Spread (blau) und Bull Call Spread (gold) sind nach oben gedeckelt; der ZEBRA (grün) läuft ab Kursniveau unbegrenzt weiter – dafür mit dem größten Verlustpotenzial.

KriteriumBull Put SpreadBull Call SpreadZEBRA
MarkterwartungAmazon fällt nicht deutlichAmazon steigt bis zum ZielkursAmazon steigt dynamisch
Laufzeit im Vergleichca. 45 DTEca. 45 DTEca. 45 DTE
Deltapositiv, eher niedrig bis moderatpositiv, moderathoch, oft aktienähnlich
Gammatypisch negativkurs- und strikeabhängigkonstruktionsabhängig
Thetatypisch positivhäufig negativ, reduziertnicht automatisch null
Vegatypisch negativhäufig moderat positivkonstruktionsabhängig
Seitwärtsmarktgrundsätzlich günstigeher ungünstigeher ungünstig
Kapitalbedarfniedrig bis mittelniedrig bis mittelhöher
Maximaler Gewinnbegrenztbegrenztnach oben offen
IV-UmfeldPrämie und Put-Skew müssen attraktiv seingünstige Call-Seite vorteilhaftwenig Extrinsic erwünscht
Hauptrisikoschneller Rückgang plus IV-Anstiegzu langsame/kleine Bewegunghohes Delta zum falschen Zeitpunkt

Die drei Beispiel-Trades im Zahlenvergleich

Alle drei Beispiele wurden am selben Tag (4. August 2026) mit demselben Verfall (18. September 2026) ausgewertet. Erst nebeneinander wird der Charakter jeder Struktur sichtbar:

KennzahlBull Put SpreadBull Call SpreadZEBRA
StrukturShort 250 / Long 240 PutLong 280 / Short 300 Call2× Long 265 / Short 285 Call
Einsatz bzw. Risiko903 $862,50 $3.797,50 $
Max-Gewinn97 $1.137,50 $nach oben offen
Break-even249,03 $ (−12,3 %)288,63 $ (+1,6 %)283,99 $ (±0 %)
Chance-Risikorund 1 : 9rund 1,3 : 1offen nach oben
Braucht …dass Amazon nicht deutlich fälltAnstieg Richtung 300 $dynamischen Anstieg
Implizite Volatilität35,6 %32,9 %33,3 %

Die Break-even-Reihe bringt es auf den Punkt: Der Bull Put Spread verdient bereits, solange Amazon nicht mehr als zwölf Prozent fällt – dafür sind maximal 97 US-Dollar drin. Der Bull Call Spread braucht einen echten Anstieg, bietet aber ein Chance-Risiko-Verhältnis über eins. Der ZEBRA startet praktisch auf Kursniveau, partizipiert nach oben unbegrenzt und aktienähnlich – bindet aber das mit Abstand meiste Kapital. Es gibt keinen „besten“ dieser drei Trades; es gibt nur den, der zur jeweiligen Markterwartung passt.

12. So vergleiche ich die Trades in OptionStrat

OptionStrat ist in diesem Kontext kein reines Darstellungswerkzeug, sondern ein Szenario- und Entscheidungsinstrument. Ich würde bei allen drei Strategien dieselbe Laufzeit und denselben Auswertungstag verwenden. Anschließend vergleiche ich mindestens folgende Größen:

Sinnvolle Szenarien

Der Vergleich wird besonders aussagekräftig, wenn Kurs und IV gleichzeitig verändert werden. Mögliche Szenarien sind:

SzenarioKursannahmeIV-Annahme
RücksetzerAmazon −5 %IV +5 Prozentpunkte
SeitwärtsAmazon unverändertIV unverändert
Post-Earnings-BeruhigungAmazon unverändertIV −5 Prozentpunkte
Moderater AnstiegAmazon +5 %IV leicht fallend
Dynamischer AnstiegAmazon +10 %IV unverändert oder steigend

Damit wird sichtbar, dass derselbe Amazon-Kurs bei unterschiedlichen IV-Annahmen zu einem anderen Ergebnis führen kann. Besonders beim Bull Put Spread ist ein Rückgang mit gleichzeitigem IV-Anstieg kritisch. Beim Bull Call Spread und ZEBRA kann dagegen ein Kursanstieg trotz fallender IV positiv sein, wenn der Delta-Effekt stark genug ist.

13. Welche Strategie passt nun am besten?

Es gibt keine grundsätzlich beste bullische Optionsstrategie. Es gibt nur die Struktur, die zur konkreten Erwartung am besten passt.

Bull Put Spread

Der Bull Put Spread passt, wenn Amazon stabil bleiben oder moderat steigen soll. Ich verkaufe vor allem Zeit und Volatilität und akzeptiere dafür negatives Gamma und ein begrenztes Gewinnpotenzial.

Bull Call Spread

Der Bull Call Spread passt, wenn Amazon innerhalb der Laufzeit einen definierten Zielbereich erreichen soll. Ich kaufe eine begrenzte bullische Bewegung und reduziere durch den Short Call Debit, Theta und Vega gegenüber einem einzelnen Long Call.

ZEBRA

Der 45-DTE-ZEBRA passt, wenn ich eine dynamische Aufwärtsbewegung erwarte und mit hohem Delta möglichst aktienähnlich partizipieren möchte. Dabei ziele ich auf wenig extrinsischen Wert, muss aber die tatsächlichen Werte für Gamma, Theta und Vega weiterhin prüfen.

14. Fazit

Amazon liefert mit dem beschleunigten AWS-Wachstum, steigenden operativen Ergebnissen und einer starken Nachfrage nach Cloud- und AI-Infrastruktur überzeugende Argumente für eine bullische Einschätzung. Gleichzeitig sind die hohen Investitionen, der negative Free Cashflow und das bereits erreichte Rekordniveau ernst zu nehmende Risiken.

Für die Auswahl der Optionsstrategie genügt es deshalb nicht, nur auf das Payoff-Diagramm oder die maximale Rendite zu schauen. Richtung, Geschwindigkeit, Zeitablauf und Volatilität müssen zusammenpassen.

Die Griechen zeigen, wie aggressiv die Position auf Kurs, Zeit und Volatilität reagiert. Die IV entscheidet zusätzlich darüber, zu welchem Preis ich diese Exposition kaufe oder verkaufe. Erst die Kombination aus Marktmeinung, Griechen und Volatilitätsumfeld ergibt einen belastbaren Trade.

Die entscheidende Frage lautet nicht: Welche Optionsstrategie ist grundsätzlich die beste? Sondern: Welche Kursbewegung erwarte ich – und welche Struktur bildet genau diese Erwartung am besten ab?

Quellen

Thorsten Eberhart
Über den Autor

Thorsten Eberhart ist Vollzeit-Trader aus Düsseldorf und erwirtschaftet sein Einkommen mit dem Optionshandel — überwiegend Stillhalterstrategien mit Fokus auf Risikomanagement. Er betreibt Options4Winners.

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Weiterbildung. Er stellt keine Anlageberatung oder konkrete Handlungsempfehlung dar. Der Optionshandel ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Frühere, historische oder beispielhafte Ergebnisse lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen zu. Die dargestellten Strategien und Kennzahlen sind beispielhaft; tatsächliche Preise, Griechen und Volatilitäten verändern sich laufend.